In den USA bahnt sich eine Pleitewelle an – potenziell von einem Ausmaß, das an die globale Finanzkrise 2008 erinnert. In der Branche ruft die aktuelle Entwicklung bereits Assoziationen an den Schwarzen Oktober 1929 hervor. Der Chef der größten US-Bank ist außer sich: »Ich sehe ein paar Leute, die dumme Dinge tun«, sagte Jamie Dimon, CEO von JP Morgan, in der vergangenen Woche in einer Investorenkonferenz. Die Lage an den Finanzmärkten erinnere ihn stark an die Subprime-Blase, die 2008 platzte: »Leider haben wir das in ’05, ’06 und ’07 gesehen, fast dasselbe – die steigende Flut hat alle Boote gehoben, jeder hat viel Geld verdient«, so Dimon weiter.
Der Zorn des gestandenen Bankers – Dimon war schon vor 20 Jahren Chef bei JP Morgan, als sich die Finanzkrise Bahn brach – richtet sich gegen die sogenannten Schattenbanken. Nahezu unregulierte Finanzinstitute haben ihren Einfluss auf den Finanzmärkten in den letzten Jahren erheblich ausgeweitet. Auf dem Markt für Private Credit verleihen Investoren Kredite, verfügen aber nicht über eine Banklizenz und bewegen sich damit unterhalb des Radars der Finanzaufsicht. Wie groß der Markt tatsächlich ist, lässt sich deshalb nur schätzen. Analysten gehen aber davon aus, dass in der Branche mittlerweile Werte in einem Volumen von 2,5 Billionen Dollar gehandelt werden und der Schattenbankensektor damit auf die Größe des regulierten Bankenmarkts angewachsen ist.
Ramschkredite wie 2008
Wo niemand genau hinschaut, gedeihen krumme Geschäfte. Im Schattenbankensektor werden wieder sogenannte Subprime-Kredite gehandelt, die für das Fiasko der Finanzkrise 2008 verantwortlich waren. Damals hatten Banken solche Ramschkredite an Haushalte mit geringen Einkommen vergeben, die wegen ihrer geringen Bonitätseinstufung nicht in den Genuss eines Kredits und damit eines Eigenheims gekommen wären. Zwanzig Jahre später feiern die Subprime-Kredite unter Autohändlern ein Comeback. Im September 2025 ging die texanische Tricolor-Holdings Konkurs. Die Firma hatte eine Vielzahl riskanter Kredite vergeben, vor Gericht wurde dem Unternehmen bei der Kreditvergabepraxis »weit verbreiteter Betrug« von »außergewöhnlichem Ausmaß« vorgeworfen. Zudem ging mit dem Autoteilezulieferer First Brands ein zweites Unternehmen in die Insolvenz, bei dem Private-Credit-Fonds stark investiert waren.
Die Pleiten bereiten den großen Geldhäusern Sorgen. »Bei solchen Dingen werde ich hellhörig«, sagte JP-Morgan-Chef Jamie Dimon im Oktober 2025. »Und ich sollte das wahrscheinlich nicht sagen, aber wenn man eine Kakerlake sieht, gibt es wahrscheinlich noch mehr.« Die drastischen Worte verdeutlichen die Angst vor einer Ausbreitung, die Dimon und Co. umtreibt. Denn das Platzen der Subprime-Kredite in der Autobranche würde signalisieren, dass Millionen US-Bürger unter den hohen Lebenshaltungskosten und dem angespannten Arbeitsmarkt leiden. Die Belastung der Bevölkerung hat ein Maß erreicht, das nun auch für die Schattenbanken ein Problem darstellt. Hinzu kommt, dass die Preise für Autos auf einem Allzeithoch stehen. Der Durchschnittskaufpreis eines Neuwagens hat die Marke von 50.000 Dollar überschritten. Maßgeblich dazu beigetragen haben die von Präsident Donald Trump verhängten Importzölle auf Pkw und Autoteile.
Too big to fail
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