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Das Wirtschaftsmagazin

Wir brauchen eine Reichensteuer

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In Deutschland zahlt eine Mittelschichtfamilie gemessen am Einkommen mehr Steuern, als es Millionäre und Milliardäre tun. Das muss aber so nicht sein. Man kann da ganz konkret was gegen machen.

Gabriel Zucman ist ein französischer Ökonom, weltberühmt für seine Ungleichheitsforschung. Und er hat eine ganz besondere Idee. Und zwar die sogenannte Reichensteuer, manchmal spricht man auch von der Zucman-Steuer.

Es ist ein Konzept, das hat er sich überlegt, als die G20-Staaten ihn gefragt haben. Da war gerade Lula da Silva, der Präsident von Brasilien, an der Spitze von den G20-Staaten. Er hat gefragt: »Hey, was können wir eigentlich machen gegen diese extreme Schere zwischen Arm und Reich?« Und die Idee von Zucman ist: Wir erheben eine zwei­prozentige Vermögensteuer, und zwar auf alle Centi-Millionäre, also alle Menschen, die 100 Millionen oder mehr haben, und auf alle Milliardäre.

Jetzt darf man nicht denken, dass diese Vermögensteuer wirklich krass die Ungleichheit reduzieren würde, sondern de facto würde das bedeuten, dass dann Millionäre hierzulande, also Centi-Millionäre und Milliardäre, unterm Strich so viel zahlen würden wie eine Mittelschichtsfamilie. Also es ist quasi eine Ergänzung zur bestehenden Einkommensteuer, die ja progressiv gestaltet ist, die aber, je reicher man ist, umso unwichtiger wird.

Das heißt, diese Reichensteuer von Zucman ist ein erster wichtiger Schritt. Damals, als die G20-Staaten das vorgeschlagen haben, waren 18 von 20 Staaten dafür. Ausgeschert sind: die USA und Deutschland mit Christian Lindner als Finanzminister. Aber wir haben ja aktuell einen sozialdemokratischen Finanzminister und vielleicht könnte Lars Klingbeil sich ja mal hinter diese Idee klemmen.

Martyna Linartas

Martyna Linartas ist Ungleichheitsforscherin und Herausgeberin von Surplus. Sie hat die Wissensplattform ungleichheit.info mitgegründet und das Buch »Unverdiente Ungleichheit« (Rowohlt) veröffentlicht.