In keinem anderen europäischen Land sind die Spritpreise aufgrund des Kriegs im Iran stärker gestiegen als in Deutschland. Zahlte man Ende Februar noch 1,82 Euro für einen Liter Super, sind es heute 2,13 Euro. Für Diesel fiel der Sprung sogar noch höher aus: von 1,73 Euro je Liter auf 2,30 Euro (Stand 26.03.).
Die Preise treffen vor allem Autofahrerinnen und -fahrer mit kleinem Budget: diejenigen, die nicht einfach im Homeoffice arbeiten können, sondern jeden Tag zur Arbeit fahren; die sich keine Mieten in der Stadt leisten können und für den Weg zur Schule oder zum Arzt weite Wege auf sich nehmen; die sich keinen Lieferdienst für Lebensmittel bestellen, sondern mit dem Auto zum Supermarkt fahren müssen.
Allerdings zeigt eine aktuelle Studie im Auftrag von Greenpeace, dass die Preise an den Zapfsäulen stärker gestiegen sind als die Rohölpreise am Markt. Und auch bei einer Sitzung der Taskforce zur Senkung der Spritpreise kam man zu dem Entschluss: »Den Mineralölkonzernen ist es nicht gelungen, glaubhaft zu erklären, wie die Preisgestaltung geschieht und vor allem auch, wie die Unterschiede im europäischen Vergleich zu erklären sind«, so SPD-Fraktionsvize Armand Zorn.

Der ADAC wirft den Konzernen Preistreiberei vor. Die Greenpeace-Studie zeigt, dass sie profitieren: Seit Beginn des Iran-Kriegs wurden bei Benzin zusätzliche 3,2 Millionen Euro pro Tag und bei Diesel sogar 17,9 Millionen Euro verdient.
Wer so stark von einer Krise profitiert, sollte besteuert werden – zumindest, wenn es nach den Verkehrsministerien der Bundesländer ginge. Die hatten sich am vergangenen Donnerstag gemeinsam für eine Übergewinnsteuer ausgesprochen. Auch SPD-Co-Chefin Bärbel Bas befürwortete sie, und ihr Co-Chef und Finanzminister Lars Klingbeil will die Forderung nun zumindest prüfen.
