Am vierten Oktober lag Flávio Bolsonaro – der Sohn eines inhaftierten Putschisten – bei der brasilianischen Präsidentschaftswahl vor dem Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva. Er erhielt 47 Prozent der gültigen Stimmen, Lula kam auf 45 Prozent – und das bei einer Arbeitslosenquote auf Rekordtief, steigenden Reallöhnen und einer Inflation innerhalb des Zielkorridors. Trump bezeichnete das Ergebnis als »großen Sieg«. Die Stichwahl findet heute statt. Laut den Umfragen der vergangenen Woche liegen beide Kandidaten höchstens zwei Prozentpunkte auseinander.
Brasilien wählt unter offenem Druck aus Washington, doch bei keiner anderen Wahl in der Region kam diese Kombination zusammen: an einen Prozess geknüpfte Zölle, Sanktionen gegen einen Richter, Sanktionslisten mit Folgen für den Zugang zum Finanzsystem, und ein Kandidat, der all dies selbst gefordert hat. Es ist zudem ein Land, in dem eine linke Regierung das Zinsregime beibehalten hat, das ihre eigenen Wähler ausblutet. Washington von außen und die Rentiers im Inland leben von derselben Sache – Brasiliens Überschüssen –, und die Stichwahl entscheidet darüber, ob sie diesen weiterhin abschöpfen können.
Was Washington will
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