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Das Wirtschaftsmagazin

Arbeitskraft wird in Zukunft zu einem knappen Gut

Hohe Arbeitslosigkeit und gleichzeitig Fachkräftemangel: Ob und wie das zusammenpasst, analysiert Soziologieprofessor Florian Butollo in seinem neuen Buch.

6 Minuten Lesedauer

Perspektivisch könnten noch viel mehr Unternehmen händeringend nach Personal suchen (Symbolbild). Credit: IMAGO/Seeliger

Einer breit rezipierten Studie zufolge werden Fernfahrerinnen und -fahrer bald durch fahrerlose LKWs ersetzt. Parallel dazu liest man von einem »quasi leergefegten LKW- und Busfahrermarkt«; etwa 80.000 Fernfahrer sollen derzeit in Deutschland fehlen, sodass laut dem Bundesverband Spedition und Logistik die Grundversorgung im Transportwesen mittlerweile ernsthaft gefährdet ist. Nicht anders sieht es in der öffentlichen Verwaltung aus: Die Sachbearbeitung gilt als ein Tätigkeitsfeld, in dem Beschäftigte bald durch Künstliche Intelligenz abgelöst werden können, doch sucht man derzeit händeringend nach Personal, und Prognosen zufolge könnte sich der Mangel an Verwaltungsfachkräften bis 2030 auf über 200.000 Angestellte belaufen.

Fernfahrerinnen und Verwaltungsangestellte sind nur besonders anschauliche Beispiele dafür, dass die gängigen Prognosen zur Wirkung des technischen Wandels auf den Arbeitsmarkt nur wenig mit der Realität zu tun haben. So kommt auch eine Studie zum Ergebnis, dass die Beschäftigung in bestimmten Berufsfeldern nicht geschrumpft ist, sondern um 6 Prozent zugenommen hat. Sie untersuchte länderübergreifend die Arbeitsmarktentwicklung in jenen Professionen, welche noch vor zehn Jahren als Jobs mit einem hohen Automatisierungsrisiko eingestuft wurden.

KI als Drohkulisse

Florian Butollo: Das knappe Gut Arbeit

Automatisierung, Arbeitskräftemangel und sozialer Konflikt. Erscheint am 23. März 2026 bei Suhrkamp.

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Realitätsfremde Warnungen vor technologischer Arbeitslosigkeit begleiten uns schon seit Langem. In den 1970er-Jahren galt der Roboter als möglicher Jobkiller, in den 1990ern war es der Computer, und seit den 2010er Jahren ist es die Künstliche Intelligenz. Im Grunde ist die Annahme, dass die Maschine uns die Arbeit wegnehmen könnte, so alt wie der Kapitalismus selbst. Karl Marx spekulierte im sogenannten Maschinenfragment, einer Vorarbeit für Das Kapital, darüber, was passieren würde, wenn die Rolle der Arbeit in vollautomatisierten Fabriken marginalisiert würde, und auch John Maynard Keynes prognostizierte in den 1930er-Jahren eine Zukunft technologischer Arbeitslosigkeit.

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Florian Butollo

Florian Butollo ist Soziologieprofessor mit dem Schwerpunkt Digitale Transformation und Arbeit. Im März 2026 erscheint sein Buch »Das knappe Gut Arbeit«.

#7 – Machtkampf um KI

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