Der Angriff der USA und Israels auf den Iran am 28. Februar 2026 hat die schwerste globale Energiekrise seit dem Zweiten Weltkrieg ausgelöst – noch gravierender als die Krisen von 1973, 1979 und 2022. Deutschland ist diesmal zwar nicht so direkt betroffen wie im Jahr 2022, doch die Verwerfungen auf den internationalen Energiemärkten treiben auch hierzulande die Preise für Kraftstoffe, Heizöl und Erdgas deutlich in die Höhe. Gleichzeitig dürfte der Energiepreisschock die Inflation weiter anheizen und die deutsche Wirtschaft in eine Rezession führen.
Die Politik scheint das Ausmaß der Krise noch immer nicht vollständig erkannt zu haben. Statt entschlossen zu handeln, zögert sie und präsentiert Scheinlösungen. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) lehnte zunächst eine Spritpreisbremse ab, um später eine weitgehend wirkungslose Pseudo-Bremse einzuführen, die die Preise noch zusätzlich anzutreiben scheint. Der sozialdemokratische Finanzminister Lars Klingbeil fordert zwar auf europäischer Ebene eine Übergewinnsteuer für Energiekonzerne, stellte aber zuletzt eine Reformagenda vor, deren Schwerpunkt darauf liegt, die Deutschen zu mehr Arbeit aufzufordern. Und Bundeskanzler Friedrich Merz schaut untätig zu.

Den Schock von vornherein abfedern
Zögern und Zaudern sind der falsche Ansatz. In Krisenzeiten muss die Politik entschlossen handeln, um die Menschen zu entlasten und die Wirtschaft zu stabilisieren. Zwar hat die Ampelregierung im Jahr 2022 rasch Entlastungspakete auf den Weg gebracht, doch bei der Einführung der Gas- und Strompreisbremse wurde zu lange gezögert. Diesen Fehler sollte die neue Bundesregierung nicht wiederholen. Eine erneute Schocktherapie wie 2022 würde der Alternative für Deutschland (AfD) zusätzlichen Auftrieb verleihen und die deutsche Wirtschaft endgültig in die Knie zwingen.
Zentrales Instrument der Krisenpolitik sollte eine wirksame Energiepreisbremse sein, die die gesamte Energiepalette umfasst: Kraftstoffe, Heizöl, Gas und Strom. Eine solche Maßnahme würde das Problem an der Wurzel packen und den Energieschock frühzeitig abfedern. Die neue Energiepreisbremse sollte dabei auf drei zentralen Elementen beruhen.
Erstens sollte die Gas- und Strompreisbremse aus der Energiekrise des Jahres 2022 reaktiviert werden. Für private Haushalte würde dies eine Obergrenze für den Bruttopreis von 12 ct/kWh für Erdgas und 40 ct/kWh für Strom für jeweils 80 Prozent des Verbrauchs bedeuten. Für industrielle Kunden sollte eine Nettopreisgrenze von 7 ct/kWh für Erdgas und 12 ct/kWh für Strom für 70 Prozent des Verbrauchs gelten. Diese Werte liegen zwar über den derzeitigen Marktpreisen, dennoch ist eine schnelle Einführung entscheidend. Sie gibt insbesondere privaten Haushalten Sicherheit, bevor die Energiekosten im Winter stark ansteigen.
Zugleich sollte die Politik aus den Fehlern der Vergangenheit lernen: Die frühere Energiepreisbremse blieb für viele Industrieunternehmen wirkungslos, weil sie zu bürokratisch ausgestaltet war und kaum Anreize bot, die Produktion in Deutschland zu halten. Diesmal braucht es daher eine einfache und wirksame Regelung, um größeren wirtschaftlichen Schaden abzuwenden. Konkret bedeutet das, dass Unternehmen Erdgas und Strom für die Produktion in Deutschland ohne zusätzliche Auflagen zu festen Nettopreisen von 7 ct/kWh für Erdgas und 12 ct/kWh für Strom beziehen können – und zwar ohne mengenmäßige Begrenzung.
Zweitens benötigt die energieintensive Industrie einen verlässlichen Industriestrompreis, der Planungssicherheit schafft und Investitionen in strombasierte, klimafreundliche Produktionsanlagen wirtschaftlich macht. Nur so lassen sich die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie sichern und weitere Produktionsverlagerungen ins Ausland verhindern. Die Bundesregierung hat zwar kürzlich einen Industriestrompreis eingeführt, doch dieser bleibt ein unzureichender Zwischenschritt mit begrenzter Wirkung. Denn trotz der Maßnahme liegen die Stromkosten für betroffene Unternehmen weiterhin deutlich über dem Niveau in den USA oder in anderen EU-Staaten. Deutschland braucht daher einen einfachen, unbürokratischen und langfristig angelegten Industriestrompreis von 5 ct/kWh bis mindestens 2035. Andernfalls droht, dass viele gutbezahlte Arbeitsplätze etwa in der Stahl- und Chemieindustrie langfristig verschwinden werden.
Drittens sollten die Maßnahmen zur Deckelung der Strom- und Gaspreise durch eine Öl- und Spritpreisbremse ergänzt werden, um den Anstieg der Öl- und Kraftstoffpreise wirksam zu begrenzen. Eine solche Maßnahme würde vielen Haushalten Sicherheit geben – insbesondere jenen, die auf ein Auto mit Verbrennungsmotor angewiesen sind oder mit Ölheizung wohnen. Konkret sollte der Heizölpreis für private Haushalte gedeckelt und zugleich eine flexible, »atmende« Preisbremse für Benzin und Diesel eingeführt werden, die starke Preisspitzen zuverlässig abfedert.
Einwände, die nicht überzeugen
Häufig wird der Einwand vorgebracht, staatliche Preisbremsen würden das Energieangebot verknappen. Diese Kritik greift jedoch zu kurz – zumindest im Fall einer einseitigen Energiepreisbremse, wie sie 2022 eingeführt wurde und auch jetzt wieder zum Einsatz kommen sollte. Bei einer solchen Regelung wird ausschließlich der Preis für die Verbraucher begrenzt, während Energieproduzenten und -lieferanten ihre Preise weiterhin frei am Markt festlegen können. Die Differenz zwischen Marktpreis und gedeckeltem Verbraucherpreis übernimmt der Staat. Gerade diese einseitige Ausgestaltung erklärt, warum dabei erhebliche fiskalische Kosten entstehen – im Gegensatz zu zweiseitigen Preisbremsen, bei denen solche Belastungen für die öffentliche Hand nicht anfallen.
Natürlich wird auch eine einseitige Preisbremse die Energienachfrage erhöhen – doch genau das ist ihr Zweck. Um die Inflation wirksam zu dämpfen und einen wirtschaftlichen Einbruch zu verhindern, muss der staatlich festgelegte Preis unter dem hohen Marktniveau liegen, das sich ohne Eingriff einstellen würde. Gleichzeitig gilt: Auch die vorgeschlagene Preisbremse soll den Energieschock nicht vollständig beseitigen, sondern lediglich abmildern. Im Vergleich zum Vorkrisenniveau wird der Energieverbrauch daher weiterhin deutlich sinken. Entscheidend ist jedoch, dass die Maßnahme die Unsicherheit reduziert und so einen abrupten wirtschaftlichen Absturz verhindert.
Viele Ökonominnen und Ökonomen lehnen Preiskontrollen wie die Energiepreisbremse grundsätzlich ab, weil sie diese pauschal als ineffizient betrachten. Diese Sichtweise beruht jedoch auf einer unterkomplexen Perspektive auf reale Marktwirtschaften. Die behauptete Ineffizienz existiert vor allem in der Modellwelt der volkswirtschaftlichen Lehrbücher, die unterstellen, dass unregulierte Märkte stets zu effizienten Ergebnissen führen – Markteffizienz und staatliche Ineffizienz werden dort gewissermaßen vorausgesetzt. Anders gesagt: Die Analyse des ökonomischen Mainstreams beruht auf dem Wunschdenken, dass Märkte auch in Krisenzeiten zuverlässig funktionieren und niemals überreagieren. Berücksichtigt man jedoch, dass in Krisen selbsterfüllende Erwartungen der Marktteilnehmer zu endogener Preisunsicherheit führen können oder dass Energiekonzerne Spielräume für implizite Koordination nutzen, ergibt sich ein anderes Bild. Unter solchen Bedingungen können wirksame Preisbremsen mit dämpfender Wirkung die ökonomische Effizienz des Marktergebnisses verbessern. Dies gilt insbesondere in Krisen, die durch Schocks in systemkritischen Sektoren wie dem Energiesektor verursacht werden.
Finanzierung sicherstellen
Die Finanzierung der Energiepreisbremse sollte – wie jede wirksame Krisenpolitik – in erster Linie über staatliche Kreditaufnahme erfolgen. Die Bundesregierung muss daher unverzüglich die Notlagenklausel der Schuldenbremse aktivieren. Dies wäre bereits im März geboten gewesen. Je länger die Regierung mit diesem Schritt zögert, desto größer werden die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Schäden ausfallen. Das anhaltende Zögern der Politik deutet darauf hin, dass der Ernst der Lage noch immer nicht vollständig erkannt worden ist.
Zusätzlich zur staatlichen Kreditaufnahme sollte eine Übergewinnsteuer eingeführt werden. Die vergangenen Jahre waren trotz stark steigender Energiepreise und wirtschaftlicher Schwäche für viele Energiekonzerne von Rekordgewinnen geprägt. Diese Unternehmen konnten durch überproportionale Preiserhöhungen von der Krise profitieren, während die breite Mehrheit der Bevölkerung Wohlstandsverluste hinnehmen musste und mit wachsenden Abstiegsängsten konfrontiert war. Vor diesem Hintergrund erscheint es gerechtfertigt, dass die Krisengewinner einen angemessenen Beitrag zur Finanzierung der erforderlichen Krisenmaßnahmen leisten.
Das Angebot muss langfristig gesichert werden
Neben Preiskontrollen und anderen Entlastungsmaßnahmen muss der Staat in einer Energiekrise auch für eine Ausweitung des Energieangebots sorgen. An erster Stelle steht dabei der beschleunigte Ausbau erneuerbarer Energien. Allerdings haben Bundeskanzler Friedrich Merz und Wirtschaftsministerin Katherina Reiche die Energiewende zuletzt ausgebremst und den Eindruck erweckt, der Ausbau von Solar- und Windenergie sei ein Randthema für ideologisch motivierte Minderheiten. Diese Einschätzung ist jedoch grundlegend falsch. Tatsächlich bietet die Energiewende die Chance, Deutschland langfristig vor globalen Energiepreisschocks zu schützen. Ein konsequenter Ausbau erneuerbarer Energien stärkt die Unabhängigkeit von Gas- und Ölimporten erheblich. Wer verhindern will, dass Deutschland künftig erneut von Energiekrisen getroffen wird, muss die Energiewende daher entschlossen vorantreiben. Diese Einsicht teilen einer aktuellen Umfrage zufolge auch 68 Prozent der Deutschen.
Der Ausbau erneuerbarer Energien ist mittelfristig entscheidend, wird jedoch bis zum kommenden Winter das Energieangebot kaum spürbar erhöhen. Umso wichtiger sind kurzfristige Maßnahmen, die die Regierung jetzt ergreifen kann.
Erstens sollte das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) die zweite Stufe des Notfallplans Gas – die Alarmstufe – ausrufen und die Beschaffung von Erdgas und Öl auf den Weltmärkten mithilfe der Trading Hub Europe GmbH deutlich ausweiten. Zugleich sollte Deutschland eine führende Rolle bei Initiativen auf EU-Ebene übernehmen, um eine ausreichende Versorgung mit Gas und Öl für den kommenden Winter sicherzustellen. Darüber hinaus sollte eine Reform des Strommarkts zügig vorangetrieben werden und idealerweise bereits bis zum Herbst umgesetzt sein. Spanien hat im Jahr 2022 gezeigt, dass eine solche Reform in kurzer Zeit realisierbar ist.
Schließlich sollte auch die Möglichkeit einer Verstaatlichung der Energiekonzerne ernsthaft geprüft werden. In einer akuten Krisensituation kann ein solcher Schritt vergleichsweise schnell umgesetzt werden und dem Staat direkten Einfluss auf Preise und Versorgungssicherheit verschaffen. Zugleich ist auch langfristig eine öffentliche Beteiligung ökonomisch sinnvoll, weil die Privatisierung der Energienetze in Deutschland die Energiekosten unnötig in die Höhe getrieben hat. Derzeit zahlen Stromverbraucher exorbitant hohe Netzentgelte, weil Private-Equity-Investoren wie BlackRock zweistellige Renditen einfahren. Die Energiekrise 2026 ist ein idealer Zeitpunkt, die notwendigen Strukturreformen im Energiesektor voranzutreiben.
Schwarz-Rot muss schnell den Schaden abwenden
Die Ampelregierung hat im Jahr 2022 zu lange mit der Einführung der Gas- und Strompreisbremse gezögert – nicht zuletzt, weil der ökonomische Mainstream einer solchen Maßnahme kritisch gegenüberstand. Die daraus entstandene Verunsicherung in der Bevölkerung hat die AfD unnötig gestärkt und zugleich der Wirtschaft geschadet. Die aktuelle schwarz-rote Regierung scheint aus diesen Fehlern keine Lehren gezogen zu haben: Sie zögert und setzt auf unzureichende Scheinlösungen. Deutschland benötigt jetzt dringend eine umfassende Energiepreisbremse, um größeren Schaden von Wirtschaft und Gesellschaft abzuwenden.
