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Das Wirtschaftsmagazin

Der große Hebel für gute Ernährung

Mit Appellen an Einzelne ist es nicht getan: Damit sich alle klimagesund ernähren können, muss die Politik gegen Spekulation auf dem Markt vorgehen.

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Frisches Obst und Gemüse auf dem Markt. Credit: IMAGO/Peter Widmann
Die Politik steht in der Verantwortung, allen eine gesunde Ernährung zu ermöglichen. Credit: IMAGO/Peter Widmann

Ernährung beeinflusst viel: Wohlbefinden, Gesundheit, Umwelt. An Ratschlägen mangelt es dabei nicht. Doch was wir wie essen, ist durch gesellschaftliche Bedingungen geprägt. Ernährungspolitik darf sich daher nicht in Appellen an Einzelne erschöpfen. Vielmehr steht die Politik in der Verantwortung, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass sich alle klimagesund ernähren können. Klimagesund meint dabei regional, saisonal, und möglichst viele gering verarbeitete pflanzliche Produkte. Dafür gibt es viele Möglichkeiten. Besonders wichtig wäre allerdings ein Positionslimit. 

Wenn durch Spekulation die Preise steigen, müssen alle mehr bezahlen, aber nur wenige profitieren. Marktbeherrschende Positionen befördern Spekulationen. Instrumente wie Positionslimits beschränken diese Spekulationen. Ein Positionslimit begrenzt, wie viele Verträge jemand an der Börse auf einen Rohstoff (zum Beispiel Weizen) abschließen darf. So wird verhindert, dass ein Einzelner zu viel Einfluss auf den Preis bekommt. Die Regierung hat viel Energie in Sanktionen von Bürgergeldbeziehenden gesteckt.

Gut wäre etwas von diesem Einsatz beim Kampf gegen Spekulation mit unserem Essen. Was zu Hause auf den Tisch kommt, ist am Ende Privatsache. Aber wie das, was auf den Tisch kommt, produziert und gehandelt wird, sollte keine Privatsache der Konzerne sein. Dafür sind die Folgen zu existenziell. Bei Produktion und Vertrieb gilt es, mehr Regulierung zu wagen. Die Ernährungswende muss zudem ein ganzes Bündel von Maßnahmen umfassen, wie armutsfeste Sozialleistungen, die Anerkennung von Mehrbedarfen, zum Beispiel bei Zöliakie, oder Verhältnisprävention im Gesundheitssystem. Auch Steuern haben eine Lenkungswirkung. So führte die Zuckersteuer in Großbritannien zum Rückgang von Diabeteserkrankungen.

Katja Kipping

Katja Kipping ist Geschäftsführerin des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband.