Wer wissen wollte, wen sich Frankreichs Unternehmer als nächsten Präsidenten wünschen, bekam Ende August einen deutlichen Hinweis. Zum Jahrestreffen des Arbeitgeberverbandes Medef sind zwar die sieben wichtigsten Kandidaten für die Präsidentschaftswahl im kommenden April erschienen: die rechtsextreme Marine Le Pen, der Linkspolitiker Jean-Luc Mélenchon, die beiden früheren Premierminister unter Emmanuel Macron – Gabriel Attal und Édouard Philippe –, der Rechtskonservative Bruno Retailleau, der Sozialdemokrat Raphaël Glucksmann sowie die Grüne Marine Tondelier. Aber am Applaus ließ sich recht gut ablesen, wo die Sympathien des Unternehmerpublikums lagen: Bei der dreistündigen Debatte in der Tennisarena von Roland-Garros um Staatsschulden, öffentliche Ausgaben, Arbeitskosten, Steuern, Regulierung und die Krise der französischen Industrie kamen besonders gut die Kandidaten aus dem liberalen und konservativen Lager an.
Attal und Philippe versprachen weniger Regulierung, niedrigere Abgaben für Unternehmen und weitere Reformen des Sozialstaats. Beide stehen damit für eine Fortsetzung der Wirtschaftspolitik unter Macron: Während seiner Präsidentschaft senkte die Regierung die Unternehmenssteuer, zugleich verdoppelte sich das Vermögen der französischen Milliardäre.