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Das Wirtschaftsmagazin

Die Wirtschaft sollte nach Frieden, nicht nach Wachstum streben

Klare Missionen sind für Politik und Wirtschaft zentral. Frieden – im Inneren wie im Äußeren – sollte das Ziel sein, nach dem alle gemeinsam streben.

4 Minuten Lesedauer

Collage: Surplus, Material: IMAGO/imagebroker

In seiner Rede auf dem Parteitag der Labour Party im September bekräftigte der britische Premierminister Keir Starmer, dass »Wachstum« die zentrale Aufgabe seiner Regierung sei. Gleichzeitig zog er eine scharfe moralische Grenze zwischen Labour und Reform UK und berief sich dabei auf britische und demokratische Werte, um die populistische Partei als inakzeptabel darzustellen. Der Kontrast zwischen diesen beiden Themen offenbart jedoch ein tieferes Problem, das Starmers Amtszeit als Premierminister prägen könnte: Wachstum an sich hat keinen moralischen Wert.

Schließlich sind viele westliche Volkswirtschaften gewachsen und gleichzeitig ungleicher, finanzialisierter, kohlenstoffintensiver und politisch fragiler geworden. Wachstum kann Innovation und Wohlstand fördern, aber auch Umweltzerstörung, soziale Spaltung und geopolitische Instabilität begünstigen. Es ist kein Missionsziel, sondern eine Messgröße, und von ihrem Zweck losgelöste Messgrößen können gefährlich sein.

Deshalb sind klar formulierte Missionen so wichtig. Sie geben die Richtung vor und richten die Wirtschaftstätigkeit auf klare, gemeinsame Ziele aus. Eine Mission brachte die Menschheit zum Mond und kurbelte Investitionen in Luft- und Raumfahrt, Ernährung, Elektronik und Werkstoffe an – was uns wiederum Kamerahandys, Rettungsdecken, Babynahrung und Softwareprodukte bescherte, die wir heute als selbstverständlich ansehen. Wenn eine Mission darauf ausgerichtet ist, die heutige Klimakrise zu bewältigen, kann sie Maßnahmen in den Bereichen Landwirtschaft, Energie, Verkehr, digitale Industrien und allen anderen relevanten Sektoren vorantreiben. Da Wachstum eine Funktion von Investitionen ist, können Missionen ihm Bedeutung verleihen, indem sie festlegen, was wir wachsen lassen, wie und für wen.

Die Starmer-Regierung jedoch verstrickt sich in einer endlosen Debatte über Haushaltsspielräume und Haushaltslücken und scheint das missionsorientierte Denken in den Hintergrund gedrängt zu haben. Sie hat aus den Augen verloren, was langfristig notwendig ist, um Wachstum zu fördern und damit das Haushaltsvolumen zu vergrößern.

Frieden als Mission

Ein Thema, das Starmer zu Recht hervorgehoben hat, ist die globale Instabilität, wobei er seine Besorgnis über Russlands Invasion in der Ukraine und die sich weiterhin in Gaza abspielenden Gräuel zum Ausdruck gebracht hat. Doch dies sind außenpolitische Schlagworte ohne jegliche Verknüpfung mit seiner innenpolitischen Wirtschaftsagenda. Das ist eine verpasste Chance. Was wäre, wenn Labour den Frieden zur Mission machen würde?

Im Gegensatz zum Wachstum ist Frieden nicht moralisch neutral. Er impliziert Wertvorstellungen: Diplomatie statt Aggression, Solidarität statt Isolation und Demokratie statt Autoritarismus. Doch er erfordert zugleich materielle Verpflichtungen, wie Investitionen in die Verteidigung, in humanitäre Hilfe, in demokratische Institutionen und in die Infrastruktur, die den sozialen Zusammenhalt aufrechterhält. So verstanden ist Frieden nicht nur ein Wunsch, sondern ein potenzieller Motor für wirtschaftliche Transformation.

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Mariana Mazzucato

Mariana Mazzucato ist Professorin für die Ökonomie von Innovation und öffentlichem Wert am University College London und schreibt die Kolumne »Die sichtbare Hand« bei Surplus.

Rainer Kattel

Rainer Kattel ist stellvertretender Direktor und Professor für Innovation und Public Governance am UCL-Institut für Innovation und Public Purpose (IIPP).

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