Eine Welt, in der alle Menschen in Wohlstand leben, ist mit dem 2-Grad-Ziel vereinbar. Das ist die Kernbotschaft des Global Justice Report, der von einem Kollektiv aus rund 45 Forschenden erarbeitet wurde. Eine solche Zukunftsvision erfordert jedoch mehr als eine rasche Energiewende. Sie verlangt auch eine radikale Verringerung globaler Ungleichheit und den Übergang zu einer von »Suffizienz« geprägten Wirtschaft: eine bewusste Reduktion der Arbeitszeit, eine Verlagerung des Konsums hin zu emissionsarmen Sektoren sowie veränderte Ernährungsgewohnheiten.
Die Ausgangslage ist dramatisch: Während ein substanzieller Teil der Weltbevölkerung weiterhin in Armut lebt, sind bereits sieben der neun planetaren Grenzen überschritten. Die entscheidende Frage lautet: Wie lässt sich der Lebensstandard von Milliarden Menschen erhöhen, ohne die Lebensgrundlage unseres Planeten (viel) weiter zu zerstören? Der Global Justice Report beschreibt, unter welchen Bedingungen es möglich wäre, dass alle Länder bis 2100 ein durchschnittliches Pro-Kopf-Einkommen von 60.000 Euro erreichen – also das Niveau, das wir heute in den reichsten Ländern der Welt wie den USA beobachten. Ein solches Szenario entspräche einem Einkommenswachstum von etwa 15 Prozent in Deutschland und einer Vervierfachung der Weltwirtschaft bis zum Ende des Jahrhunderts.