Am 18. März verbreiten sich Videos aus Ras Laffan weltweit in den sozialen Medien. Zu sehen sind Explosionen und meterhohe Rauchwolken über der katarischen LNG-Anlage, dem größten Exportzentrum für Flüssiggas der Welt. Eine iranische Rakete hat den zentralen Gaskomplex getroffen. Innerhalb weniger Stunden gerät ein erheblicher Teil der weltweiten LNG-Versorgung ins Stocken.
Für Katar ist der Angriff ein ökonomischer Schock historischen Ausmaßes. Der staatliche Energiekonzern QatarEnergy könnte Schätzungen zufolge jährlich Umsatzeinbußen von bis zu 20 Milliarden US-Dollar verzeichnen. Reparaturen an der Infrastruktur dürften Jahre dauern. Doch der Angriff trifft nicht nur eine Gasanlage. Er erschüttert das zentrale Versprechen der Golfökonomien: die Stabilität. Der Nahe Osten galt jahrzehntelang als verlässlicher Energie- und Investitionsstandort.
Seit Beginn der Angriffe Ende Februar wurden laut Internationaler Energieagentur mehr als 80 Energieanlagen in der Golfregion getroffen. Neben Katar meldeten auch Saudi-Arabien, Bahrain, Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate Schäden an kritischer Infrastruktur. Auch hier könnte der Wiederaufbau laut dem Vorsitzenden der Internationalen Energieagentur Jahre dauern. Laut Schätzungen könnte der Konflikt insgesamt bereits wirtschaftliche Schäden von bis zu 58 Milliarden US-Dollar verursacht haben.