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Griechenland: Immobilienboom für Investoren, Wohnraummangel für die Mehrheit

Während in Griechenland reiche Investoren und der Tourismus vordrängen, fehlen hunderttausende Wohnungen.

4 Minuten Lesedauer

In Athen spitzt sich die Wohnkrise zu. Credit: IMAGO/NurPhoto

Vor der Küste Athens entsteht das angeblich größte Stadterneuerungsprojekt Europas. Auf über sechs Millionen Quadratmetern, was etwa der Gesamtfläche des Berliner Stadtteils Gesundbrunnen entspricht, wächst ein gewaltiger Komplex aus modernen Wohnungen, Geschäften und Parkanlagen mit diversen Unterhaltungsmöglichkeiten. Herzstück von Griechenlands Vorzeigeprojekt ist ein prestigeträchtiges Hochhaus mit 50 geplanten Stockwerken. Die Preise der Wohneinheiten in dem Tower liegen bei über 13.000 Euro pro Quadratmeter – mehr als deutsche Premiumlagen etwa in Hamburg oder München.

Trotzdem sind die meisten Wohnungen bereits verkauft oder reserviert. Laut Alexandros Moulas vom verantwortlichen Immobilienentwickler Lamda Development stammt die Nachfrage aus über 100 Ländern. Das berichteten verschiedene griechische Medien übereinstimmend. Knapp die Hälfte der Käuferinnen und Käufer soll die Immobilien an der Athener Riviera demnach als Kapitalanlage nutzen. Das Großprojekt mit dem Namen »Ellinikon« im Süden der griechischen Hauptstadt steht damit sinnbildlich für einen Boom, der den Immobilienmarkt in Griechenland tiefgreifend verändert.

Ausländische Investoren kaufen sich im griechischen Immobilienmarkt ein

Georg Petras, CEO des Maklerunternehmens Engel & Völkers Griechenland, sprach in einem aktuellen Report von »einem der begehrtesten Zweitwohnsitz-Standorte Europas«. Eine Studie der internationalen Beratungsfirma Henley & Partners und der globalen Firma für Vermögensanalyse, New World Wealth, hatte im vergangenen Jahr einen Rekord in der weltweiten Vermögensmigration prognostiziert.

Griechenland belegte im Ranking der beliebtesten Zielländer den achten Platz. Vorausgesagt wurde ein Netto-Zuzug von etwa 1.200 Millionärinnen und Millionären mit geschätzten 7,7 Milliarden Euro investierbarem Gesamtvermögen. Athen gelte als eines der »schnell wachsenden europäischen Zentren« – insbesondere für Centi-Millionäre, also Personen mit einem investierbaren Vermögen von mindestens 100 Millionen US-Dollar.

Griechenland lockt mit Steueranreizen und Aufenthaltsgenehmigung

Griechenland ist nach der Finanzkrise wirtschaftlich attraktiver geworden. Nicht-EU-Bürgerinnen und -Bürger erhalten bei einer Immobilieninvestition ab 250.000 Euro eine Aufenthaltsgenehmigung. Das »Golden Visa«-Programm brachte zwischen 2021 und Ende 2025 fast 27.000 Wohlhabende ins Land. Wer seinen Steuersitz in das südosteuropäische Land verlegt und mindestens eine halbe Million Euro investiert, zahlt bis zu 15 Jahre lang pauschal 100.000 Euro Steuern jährlich auf ausländische Einkünfte.

Laut der Umfrage von Engel & Völkers legen wohlhabende Käuferinnen und Käufer außerdem besonderen Wert auf Sicherheit, Lebensqualität und Natur. Außenbereiche, Gärten und Meerblick gewinnen beim Immobilienkauf demnach an Bedeutung. Knapp 70 Prozent der europäischen Kaufberaterinnen und -berater gaben an, dass die Möglichkeit zum Leben im Freien entscheidend sei. Mit seinem warmen, sonnigen Klima und der Strandnähe bietet Griechenland dafür günstige Voraussetzungen. Zugleich sind die Lebenshaltungskosten etwa 15 Prozent geringer als im EU-Durchschnitt.

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Nicolas Kaufmann

Nicolas Kaufmann ist freier Journalist mit dem Schwerpunkt auf Themen rund um Griechenland. Er hat zuvor unter anderem bei der Funke Mediengruppe, dem Stern und Pd Digital gearbeitet.

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