Eine der wichtigsten Forderungen des Liberalismus des 19. Jahrhunderts war, für die Abschaffung von Vorrechten durch Stand und Geburt und für die Gleichheit aller vor dem Gesetz einzutreten. Die meisten Liberalen meinten mit »alle« jedoch lange nur weiße Männer mit Besitz und in vielen Ländern setzte sich die »bürgerliche Gesellschaft« zunächst in Koexistenz zur Adelsmacht durch. Die liberale Elite wuchs in den Obrigkeitsstaat hinein. So auch in der Habsburgermonarchie. Es verwundert daher nicht, dass die meisten Vertreter der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstandenen Österreichischen Schule der Nationalökonomie Titel (niedrigen) Adels trugen. Das gilt auch für Friedrich August Hayek (1899–1992), der als Schüler von Ludwig (von) Mises in den 1920er Jahren Teil dieser Denkschule wurde. Dass seine Verteidigerinnen und Verteidiger bis heute nicht müde werden, auf »von Hayek« zu bestehen – obwohl er diesen Titel per Gesetz bereits als 20-Jähriger verlor –, ist konsequent. Die Gewohnheit passt in eine intellektuelle und politische Kultur, die zwar liberale Grundprinzipien hochhält, zugleich aber Hierarchien der Ungleichheit regelmäßig legitimiert – ja – verteidigt.
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