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Oxford-Ökonom: Wer hat Angst vor künstlicher Intelligenz?

Maximilian Kasy glänzt in seinem ersten Buch über KI und Ungleichheit mit methodischer Klarheit. Den Anspruch auf eine KI-Machtkritik kann er allerdings nicht ganz einlösen.

7 Minuten Lesedauer
Im Vordergrund Marx-Statue, im Hintergrund eine Platine. Collage: Surplus, Material: IMAGO/HärtelPRESS/Wolfilser
Collage: Surplus, Material: IMAGO/HärtelPRESS/Wolfilser

Bereits vor über 150 Jahren dachte Karl Marx über eine Welt nach, in der das Wissen selbst zur »unmittelbaren Produktivkraft« wird – und die Arbeit von ihrem Thron stößt. In dem als Maschinenfragment berühmt gewordenen Abschnitt aus seinen Grundrissen der Kritik der politischen Ökonomie spekulierte er über eine künftige Gesellschaft, in der Maschinen, die auf dem »allgemeinen gesellschaftlichen Wissen« aufbauen, die Menschen von der notwendigen Arbeit befreien würden. Anstatt »in den Produktionsprozess eingeschlossen« zu sein, könne der Arbeiter »vielmehr als Wächter und Regulator« des Prozesses fungieren, also nur noch die vollautomatisierten Wissensmaschinen überwachen und warten. Frei gewordene Zeit könnte zur »freien Entwicklung der Individualitäten« benutzt werden.

Spulen wir in die Gegenwart vor, begegnen uns diese Wissensmaschinen in Form der künstlichen Intelligenz (KI). Doch statt uns zu befreien, scheint die KI das Gegenteil zu bewirken. »Haben Sie Angst vor künstlicher Intelligenz?« – fragt der Oxford-Professor Maximilian Kasy in seinem ersten Buch, das bei Suhrkamp vom englischen Original ins Deutsche übersetzt wurde. Der in Wien und Berkeley ausgebildete Wirtschaftswissenschaftler, der schon seit vielen Jahren an der Schnittstelle zwischen Mathematik, Informatik und Ökonomie forscht, möchte Aufklärung in den unübersichtlichen Diskurs zur KI bringen. Die Erzählungen von Mensch gegen Maschine, Superintelligenz, existenziellem Risiko, Longtermism und so weiter seien nur das: Erzählungen. Sie lenkten von der viel wichtigeren Frage ab, welche Ziele der KI vorgegeben werden – und in wessen Interesse, schreibt Kasy in seinem populärwissenschaftlichen Debüt.

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