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Das Wirtschaftsmagazin

Netflix, Adobe, Tesla: Ohne Abo geht nichts

Immer mehr Online-Dienste setzen auf Abo-Modelle und ziehen die Preise an. Der Rentenkapitalismus nimmt Extremformen an.

4 Minuten Lesedauer

Collage: Surplus, Material: IMAGO/Zoonar II, IMAGO/imagebroker

Ob es der Besuch im Fitnessstudio ist oder der gemütliche Abend vor dem Fernseher, das Hören werbefreier Musik, die Nutzung des Smart-Home oder von Cloud-Diensten: Überall sind Abonnements notwendig. Die meisten Lebensbereiche wurden im letzten Jahrzehnt sukzessive von monatlichen Bezahlmodellen erschlossen und seitdem nicht mehr losgelassen. Zu groß sind deren Umsätze, zu lukrativ die Abhängigkeit der Verbraucher. Die zunehmende Macht der Abos stellt auch einen Angriff auf das Eigentum dar und zeigt, wie große Unternehmen sich auf leistungsloses Einkommen fokussieren. 

Dabei klingt die Idee des Abonnements in der Theorie verlockend. Ein kleiner monatlicher Betrag, für den man uneingeschränkten Zugriff auf ein Produkt oder Programm bekommt, dazu regelmäßige Updates und die Möglichkeit, von überall darauf zuzugreifen. Bevor die Abo-Modelle Überhand nahmen, war der einmalige Kauf eines Produkts die Norm. Im Falle einer Software hat man einmalig einen kostspieligen Lizenzschlüssel erworben und konnte das Produkt anschließend nach Belieben nutzen. Weder zeitliche Begrenzungen noch weitere Zahlungen hatten einen Einfluss. Auf diese »altmodische« Art erworbene Produkte können bis heute genutzt werden, wenngleich ihnen die Updates und modernen Funktionen der Abo-Versionen fehlen. In diesen liegt auf den ersten Blick auch der größte Vorteil der Abo-Modelle – immer die neuesten Funktionen, immer up-to-date. Doch hinter den vermeintlichen Verbesserungen steht bereits die Abhängigkeit. So bietet das US-Softwareunternehmen Adobe die Creative Suite an, ein Sammelsurium an Werkzeugen für die professionelle Video- und Bildbearbeitung. Für viele Arbeitsbereiche, unter anderem Design, Kommunikation, aber auch für den Journalismus, sind die Programme essenziell geworden. Ohne geht es kaum, denn die Alternativen sind rar, und setzt man eine monatliche Rate aus, wird man von den Diensten ausgeschlossen. Der einmalige Kauf der Produkte, die man dann endlos nutzen konnte, wurde vollständig entfernt. Da sich ganze Branchen und Institutionen wie auch Freiberufler in diese Abhängigkeit begeben müssen, kann Adobe auch frei die Preise anheben, wie der letztjährige Anstieg von zehn auf fünfzehn US-Dollar alleine für die Foto-Software zeigt.

Ausdifferenzierte Modelle

Die Abhängigkeit von Abo-Modellen hört nicht bei Adobe auf, sondern erstreckt sich über diverse Industrien. So kündigte vor Kurzem auch der US-Autohersteller Tesla an, dass sein Alleinstellungsmerkmal, das automatische Fahren, in ein monatliches Abonnement überführt wird. Zukünftig werden Teslas nach dem Kauf nur noch über rudimentäre Funktionen verfügen und selbst diese haben eine Laufzeit von nur acht Jahren. Möchte man den Autopiloten und viele weitere Features nutzen, wird man in ein Abonnement gezwungen. Es ist ironisch, dass Elon Musk sein Unternehmen nach einem Visionär benannte, der zeit seines Lebens für die allgemeine Zugänglichkeit und Verfügbarkeit von Energie plädierte. 

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Martin Seng

Martin F. Seng ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Bildungsreferent und freier Journalist. Er beobachtet die Interdependenzen von Medien, Propaganda und Politik.

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