Anfang des Jahres schien sich die preisliche Lage nach den Energieschocks im Zuge des Ukrainekriegs beruhigt zu haben. Zu diesem Zeitpunkt pendelte die Inflationsrate bereits gut 24 Monate um das mittelfristige Zwei-Prozent-Ziel der EZB. Die Lohnabhängigen hatten einen Teil ihrer Kaufkraftverluste wettmachen können: Inflationsbereinigt sind die Löhne 2024 um 2,9 Prozent und 2025 um weitere 1,9 Prozent gestiegen.
Vor einer sich selbst verstärkenden Inflation hatten führende Geldpolitiker wie Bundesbankpräsident Joachim Nagel und EZB-Präsidentin Christine Lagarde wiederholt gewarnt. Gemeint waren sogenannte Zweitrundeneffekte: In dieser Theorie führen höhere Lohnforderungen nach einem Preisschock zu steigenden Unternehmenspreisen, die wiederum weitere Lohnforderungen nach sich ziehen. Doch eine solche Dynamik scheint sich angesichts der moderaten Preisentwicklung 2024 und 2025 nicht durchgesetzt zu haben.
Doch dann kamen Trump und Netanjahu. Unter ihrer Führung griffen Israel und die USA Ende Februar den Iran an. Was dann geschah, ist wohl bekannt: Iran blockierte die Straße von Hormus – ein Nadelöhr für den weltweiten Rohölhandel: Die Meerenge ist an der schmalsten Stelle 55 Kilometer breit.