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Das Wirtschaftsmagazin

Pflege plus Minijob: »Beides ist Arbeit«

55 Stunden Pflege pro Woche, 590 Euro aus dem Minijob: Simone Brugger erklärt, warum Erwerbsarbeit für pflegende Eltern kein Privileg sein sollte.

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6 Minuten Lesedauer
Simone Brugger. Collage: Surplus, Material: Petra Ruehle
Simone Brugger arbeitet als Presse-Referentin und als pflegende Mutter. Collage: Surplus, Material: Petra Ruehle

Simone Brugger hat ihre Arbeit immer viel bedeutet. Dann kam ihr Sohn zur Welt und sie wollte weiterarbeiten, konnte aber nicht. Sie ist pflegende Mutter geworden und das vollzeit. Heute ist ihr Sohn zehn Jahre alt und benötigt weiterhin Pflege. Die 41-Jährige kämpft sich neben Pflege und Bürokratie mit Minijobs wieder zurück in die Erwerbsarbeit. Zum digitalen Gespräch treffen wir uns mittags, danach muss sie ihren Sohn vom Schulbus abholen.

Mareice Kaiser: Simone, du hast mindestens zwei Jobs. Was sagst du, wenn du gefragt wirst, was du beruflich machst?

Simone Brugger: Ich sage meistens, dass ich Presse-Referentin bin und Öffentlichkeitsarbeit mache. Und dann füge ich hinzu: pflegende Mutter. Das hat sich tatsächlich geändert. In den ersten fünf bis acht Jahren habe ich immer »pflegende Mutter« geantwortet und das als meinen Hauptberuf angegeben. Die Reaktion war oft: »Ach so, Hausfrau.« Davon habe ich mich immer herabgewürdigt gefühlt. Wenn ich sage, dass ich Presse-Referentin bin, dann ist es das, was ich wirklich bin. Ich habe das studiert und ein Volontariat gemacht. Ich definiere mich als schreibende Person, als Texterin.

Wie bist du zu diesem Beruf gekommen?

Ich komme aus einer Familie ohne Akademiker. Mein Bruder und ich waren die Ersten mit Abitur und Studium. Für mich war immer klar: Ich möchte Journalistin werden. Aber ein Studium war aus so einem Haushalt total schwierig, vor allem die Finanzierung. Ich habe während des Studiums in einem Minijob gearbeitet, um es mir überhaupt leisten zu können. Ich habe Germanistik, Romanistik und Theaterwissenschaften studiert. Das war das Einzige, wobei ich keinen Kompromiss gemacht habe: Ich habe genau das studiert, worauf ich Lust hatte. Ein Volontariat im Journalismus konnte ich mir nicht leisten. Ich bin dann in einer PR-Agentur im Verlagswesen gelandet. Vor der Geburt meines Kindes habe ich dort Vollzeit gearbeitet. Ich hatte ein Jahr Elternzeit geplant. Für mich war klar: Ich möchte arbeiten. Mit 75 Prozent wollte ich zurückkehren.

Und dann?

Dann kam alles anders. Mein Sohn kam als Frühchen zur Welt, und wir waren drei Monate im Krankenhaus. Danach sind wir von Notaufnahme zu Notaufnahme gezogen, und niemand wusste, was los ist. Nach einem Dreivierteljahr war klar: Ich werde nicht arbeiten können. Also gar nicht. Das war ein Schock.

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