Auf der Brücke des gläsernen Paul-Löbe-Hauses in Berlin hält Philipp Amthor ein Buch in die Höhe: »Straße, Platz, Palast. Zur Architektur demokratischer Räume« von Jan-Werner Müller. Die Lektüre biete spannende Einblicke in die Architektur von Parlamentsgebäuden und »was man daran auch kritisieren kann«, so Amthor. Damit meint er wohl, ein Glasgebäude allein mache noch keine transparente Demokratie. Die subtile Leseempfehlung, die Amthor in dem kleinen Videoschnipsel an seine Follower ausspricht, wirkt im Rückblick irritierend prophetisch.
Denn wenige Tage nach der Veröffentlichung des Videos wurden die Pläne der Bundesregierung publik, das Informationsfreiheitsgesetz (IFG) de facto abzuschaffen. Federführend damit beauftragt war kein anderer als Philipp Amthor selbst.
Geld in weißen Westentaschen
Trotz wiederholter Betonung, er sei nicht käuflich, hat Amthor im gläsernen Parlament eigennützig lobbyiert. Selbst die tadellosen Business-Anzüge, häufig versehen mit kleinen Deutschland-Fähnchen am Revers, können nicht darüber hinwegtäuschen. Ausgerechnet dasjenige Gesetz abzuschaffen, welches 2020 die Aufdeckung seiner eigenen Lobby-Affäre ermöglichte, gilt in Reihen der CDU, allen voran des Kanzlers, wie es scheint, beförderungswürdig. So verkündete Friedrich Merz, Philipp Amthor mit dem Amt des Staatsministers im Kanzleramt für die Zusammenarbeit von Bund und Ländern zu betrauen. Dabei wird seine Aufgabe sein, die anstehenden Reformen der Pflege oder der Einkommensteuer durchzubringen. Ein Blick in Amthors Vergangenheit lässt jedoch an dieser Personalentscheidung zweifeln.