Im Jahr 1489 erlangte das Fürstenhaus Thurn und Taxis ein kaiserliches Monopol auf die Beförderung der Post der europäischen Eliten. So trug es dazu bei, Brüssel zum Zentrum des ersten grenzüberschreitenden Postnetzwerks des Kontinents zu machen. Fünf Jahrhunderte später ist die Post zu einer öffentlichen Dienstleistung für alle geworden – aber dieser Status ist nun in Gefahr.
Nur wenige Kilometer vom alten Thurn-und-Taxis-Viertel in Brüssel entfernt entwirft die Europäische Kommission gerade Reformen, die darüber entscheiden werden, ob Europas ältestes Kommunikationsnetz zum Wohle der Allgemeinheit modernisiert oder in einem schleichenden Niedergang zerstört wird.
Bislang garantiert die Post, dass jeder zu erschwinglichen Preisen Pakete und Briefe versenden und empfangen kann. Dies wird als »Universaldienstverpflichtung« bezeichnet: die öffentliche Daseinsvorsorge einer günstigen Lieferung für alle Bürger. Das Postnetzwerk gleicht die Kosten der Lieferung an jede Adresse aus, damit die Zustellung für alle zugänglich und erschwinglich bleibt – nicht nur für diejenigen in profitablen Stadtzentren. Doch dieses System steckt in der Krise.
