Adam Tooze: Ich bin ein migrantisch geprägter Mensch. Das habe ich erst im mittleren Alter erfahren. Das waren Begriffe, die es damals für Ausländer in der Bundesrepublik in den 70er-Jahren nicht gab. Und ich entdecke mich als Teil einer Community, einer Gruppe von Menschen, die mittlerweile fast ein Drittel der deutschen Gesellschaft ausmachen. Wir sind – und das betone ich – die Gelegenheit eines neuen Deutschlands. Die Frage ist, ob die deutsche Politik bereit ist, in diese Möglichkeit zu investieren, sie zu umarmen und zu sagen: Ja, genau das wollen wir. Eine Gemeinschaft, die natürlich verbunden ist durch diese Sprache, die ich im Moment zu ihnen spreche, aber aus verschiedenen Quellen schöpft, die alle jetzt in diesem Land versammelt sind und deren Möglichkeiten natürlich auch im Interesse des Gemeinwesens in Deutschland ausgebaut, potenziert, mobilisiert werden könnten. Das scheint mir die zentrale Frage einer positiven, offenen Migrationspolitik zu sein.
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