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Das Wirtschaftsmagazin

Wir müssen mehr über Betriebsvermögen sprechen!

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Martyna Linartas: Wer über Ungleichheit spricht, muss auch über Betriebsvermögen sprechen. Warum? Weil Betriebsvermögen eine bestimmte Form von Vermögen sind, die extrem ungleich verteilt ist. Es gibt verschiedene Formen von Vermögen. Die meisten werden es kennen. Man hat ein Auto, man besitzt einen Kühlschrank oder – wenn man ein bisschen besser situiert ist – auch mal eine eigene Immobilie, ein eigenes Haus. 

Aber je reicher man ist, desto mehr Betriebsvermögen hält man. Und die reichsten 1,5 Prozent der deutschen Bevölkerung – also genau die Grenze, wo die Millionäre losgehen –, die halten mehr als 86 Prozent aller Betriebsvermögen. Das heißt, dass wenn man also Betriebsvermögen sonderbehandelt, privilegiert behandelt, dass man immer automatisch auch direkt die Reichsten besonders toll behandelt. 

Und jetzt ratet mal, welche Form von Vermögen aber besonders privilegiert behandelt wurde im Rahmen der letzten Erbschaftssteuer-Gesetze oder auch im Rahmen der Erbschaftssteuer-Reform: Betriebsvermögen. Das ist ein sperriger Begriff. Klingt nicht besonders sexy, aber es ist extrem wichtig. Das heißt, wenn wir auch mehr Steuergerechtigkeit etablieren wollen, wenn wir wollen, dass Ungleichheit wieder reduziert wird, dann dürfen wir Betriebsvermögen nicht ausklammern. Dann dürfen wir Betriebsvermögen nicht privilegiert behandeln. 

Martyna Linartas

Martyna Linartas ist Ungleichheitsforscherin und Herausgeberin von Surplus. Sie hat die Wissensplattform ungleichheit.info mitgegründet und das Buch »Unverdiente Ungleichheit« (Rowohlt) veröffentlicht.