Das wichtigste Instrument, um Ungleichheit zu reduzieren, ist Bildung? Nicht ganz. Ich würde sagen, mit Bildung Ungleichheit reduzieren zu wollen, ist in etwa so, als wollte man mit einem Pudding einen Nagel in die Wand schlagen. Ich habe ja im Rahmen meiner Forschung mit der Wirtschaftselite sprechen können. Und wenn ich sie dann gefragt habe: Was würden Sie sagen, was ist das wichtigste Instrument gegen Ungleichheit? Dann erklang ein großer Chor, und fast alle sagten unisono Bildung. Man muss mehr in Bildung investieren. Aber dieses Narrativ stimmt aus mehreren Gründen nicht.
Zum einen ist es so, dass, wenn man sich mal anschaut, wie viel wir schon in Bildung investiert haben in den letzten Jahren, Jahrzehnten – wir hatten eine richtige Bildungsoffensive –, wir haben immer mehr Studienabschlüsse, immer höhere Bildungsabschlüsse. Und trotzdem ist aber die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinandergegangen. Also, so wirklich geholfen hat es nicht.
Der andere Aspekt ist der: Wir haben eine sehr, sehr große Vermögensungleichheit. Wenn jetzt aber mehr als die Hälfte aller Vermögen aus Erbschaften und Schenkungen besteht und nicht aus dem Vermögen, was man sich im Laufe des eigenen Lebens aufbaut. Wie wichtig ist denn das da noch, ob ich einen guten Uniabschluss in der Tasche habe werde? Das eigentlich Entscheidende ist, in welche Familie ich hineingeboren werde. Also Bildung ist da einfach nicht wirklich wichtig.
Und der Soziologe Aladin El-Mafaalani spricht auch an dieser Stelle von einem sogenannten Bildungsparadox: Wenn man doppelt so viel in Bildung investiert, dann wird auch der Unterschied innerhalb der Bevölkerung, die ja gebildet wird, auch doppelt so groß. Mathematisch ist es kein Paradox, sondern man denkt, man hat doch investiert. Dann müsste doch auch eigentlich die Ungleichheit runtergehen. Das ist nicht der Fall.
Das heißt: Bildung ist wichtig – ja, auf jeden Fall. Ich will auch nicht die Bedeutung von Bildung kleinreden. Aber wenn man Ungleichheit reduzieren will, die Schere zwischen Arm und Reich, gerade in Fragen von Vermögen, dann braucht es was anderes. Dann braucht es diese Steuern auf Vermögen.