»Geld bewertet nicht, was oder wer ich bin. Es zieht einen Vorhang vor mich, der mich überhaupt nicht zeigt.« So beschrieb einst Susanne Klatten, Erbin des BMW-Konzerns und Deutschlands reichste Frau, die Eigenschaft ihres Vermögens, vom prüfenden Blick der Medien verschont zu werden. Ob aus echter Bescheidenheit oder aus Angst, zur Zielscheibe zu werden: Deutschen Spitzenvermögenden wird eine besondere Öffentlichkeitsscheue nachgesagt. Von vielen der reichsten Deutschen, wie etwa von Dieter Schwarz (Lidl, Kaufland), existieren noch nicht einmal öffentliche Bilder – auch dank Medien wie der Heilbronner Stimme, deren Chefredakteur die stille Übereinkunft offen aussprach: »Bei mir im Blatt gibt es keine Fotos von Herrn Schwarz.«
Eine neue Studie der Soziologin Emma Ischinsky des Kölner Max-Planck-Instituts für Gesellschaftsforschung, die in der Fachzeitschrift Sociology erschienen ist, untersucht die mediale Abdeckung der Reichsten. Mittels einer systematischen Auswertung von Reichenlisten und der Berichterstattung kann sie nachweisen, dass knapp ein Viertel der reichsten Deutschen medial unsichtbar ist, während die meisten anderen nur gelegentlich erwähnt werden. Dieser Vorhang des Schweigens verhindert eine ehrliche Debatte über die Quellen und das Ausmaß der Ungleichheit in Deutschland – und über die politischen Maßnahmen, die notwendig wären, um sie wieder einzuhegen.
Das Unsichtbare sichtbar machen
Um die mediale Präsenz der reichsten Deutschen zu messen, wertet Ischinsky die Reichenlisten des Manager Magazins und Artikel in acht Medien von 2001 bis 2023 aus, die mindestens einen Überreichen beim Namen nennen. Sie kommt insgesamt auf einen Datensatz von 1718 Individuen mit einem Vermögen zwischen 400 Millionen und 40 Milliarden Euro, über die über 140.000 Artikel geschrieben worden sind.
Abonniere unseren kostenlosen Newsletter, um diesen Text weiterzulesen:
Zum NewsletterGibt’s schon einen Account? Login
