Deutschlands innenpolitische Debatten drehen sich derzeit vor allem um Reformen der Sozialversicherungen. CDU-Politikerinnen und -Politiker verweisen dabei gerne auf Griechenland. So lobte Kanzler Merz im Mai den ökonomischen Kurs der konservativen griechischen Regierung. An den griechischen Ministerpräsidenten Kyriakos Mitsotakis gerichtet, der ebenfalls anwesend war, sagte er: »Dieser Reformweg war für Griechenland, für viele Menschen in Ihrem Land, Herr Ministerpräsident, hart. Aber er hat sich als richtig herausgestellt. (…) Die Anstrengungen haben sich gelohnt«. Manuel Hagel (CDU) sprach im Handelsblatt von einem »Comeback« des Landes: Hellas hätte sich vom Sorgenkind zu einem Vorbild für den Südwesten entwickelt.
Griechenlands Wirtschaft wächst seit Jahren – zumindest bei den konjunkturellen Indikatoren. Lag die Arbeitslosenquote 2013, auf dem Höhepunkt der Wirtschafts- und Finanzkrise, noch bei 27,7 Prozent, sank sie seitdem kontinuierlich. Das zeigen Zahlen von ILOSTAT, der Statistikabteilung der ILO. 2018, als noch Alexis Tsipras von der linken Partei Syriza regierte, lag die Quote bei 19,2 Prozent. Seit der Regierungsübernahme von Mitsotakis und der konservativen Nea Dimokratia 2019 sank die Erwerbslosigkeit auf 8,5 Prozent (2025).

Auch das jährliche Wirtschaftswachstum, das gerne in Vergleichen gerühmt wird, erholte sich Daten der Weltbank zufolge von einem Minus während der Eurokrise (–9,9 Prozent, 2011) auf 2,1 Prozent (2025). Zum Vergleich: Die deutsche Wirtschaft wuchs 2025 lediglich um 0,2 Prozent.
Doch erzählen diese Zahlen die gesamte wirtschaftliche Realität Griechenlands?
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