An seinem ersten Morgen als Premierminister des Vereinigten Königreichs besuchte Andy Burnham eine Wohltätigkeitsorganisation für Obdachlose und versprach, das Schlafen auf der Straße landesweit zu beenden. Erreichen will er dieses Ziel durch die Ausweitung der »Housing First«-Strategie, die er bereits als Bürgermeister von Greater Manchester verfolgt hatte. Damit gab er einen ersten Einblick in sein Regierungsmodell: einen Staat, der Ressourcen auf zentraler Ebene bereitstellt und die Umsetzung – sowie die damit verbundenen Erkenntnisse – den lokalen Behörden anvertraut.
Die Debatte um Burnhams Dezentralisierungsagenda stellt oft eine falsche Gegensätzlichkeit zwischen Manchester und Westminster oder zwischen Lokalismus und Zentralismus her. Allerdings besteht nicht zwangsläufig ein Widerspruch zwischen der Übertragung von Befugnissen an »den Ort, an dem man lebt« und darin, einem handlungsfähigen Staatsapparat auf nationaler Ebene vorzustehen. Man denke nur an Burnhams Versprechen, »das größte Programm zum Bau von Sozialwohnungen seit der Nachkriegszeit zu leiten«. Die klare Vision und die Finanzierungsmechanismen kommen aus der Zentrale, doch mit der Umsetzung sollen Kommunalverwaltungen und regionale Behörden vor Ort betraut werden. Für den Erfolg ist jedes Element gleichermaßen entscheidend, ebenso wie das Bindeglied dazwischen.