Auf seinem neuen Album »GLANZ NULL« erzählt der Berliner Rapper Apsilon vom Verlust kindlicher Unbeschwertheit – und davon, wie Kapitalismus, Krieg und soziale Ungleichheit bis in Freundschaften, Liebe und das eigene Selbstbild hineinwirken. Im Interview mit Maxine Fowé spricht er über steigende Preise, die Kürzungspolitik der Bundesregierung und die Hoffnung auf eine andere Welt.
Maxine Fowé: Auf dem Cover von »GLANZ NULL« sieht man eine hell erleuchtete, fallende Person. Was wolltest du damit ausdrücken?
Apsilon: Du bist die Erste, die mich explizit zum Cover fragt. Es ist ein fallendes Kind. Es greift das Albumthema auf: diese kindliche Sorglosigkeit, den Blick im Sinne von »Ich bin sicher, irgendwie wird schon alles gut«. Beim Erwachsenwerden verliert man ihn irgendwann – durch eigene Traumata, Herzschmerz oder, andernorts, durch Kriege. Man verliert den Glanz und begibt sich auf die Suche, fragt nach dem Warum und dem Wie. Manche sehen darin vielleicht ein fallendes Kind, andere etwas ganz anderes. Das Cover greift für mich das Gefühl auf, dass das Kind in einem selbst fällt – und lässt offen, wo dieser Fall endet.
In »Glanz« erzählst du von einer glänzenden Welt: ein breites Lächeln wie Ronaldinho, glänzende Augen im weißen Ballack-Trikot, Mokka mit den Jungs im Stammcafé, vor den Sommerferien ein paar Tage früher krankmachen, in der Heimat am Strand lachen. Was hat diese glänzende Welt für dich ausgemacht?