Guten Morgen,
dieser Tage führen uns Waldbrände, bedrückende Zahlen von über 11 000 Hitzetoten in Deutschland und historische Tiefstände der Flusspegel einmal mehr vor Augen, was wir durch unzureichenden Klimaschutz verlieren. Die Todeszahlen zeugen von politischer Gleichgültigkeit gegenüber den Schwächsten in der Gesellschaft, die ökonomischen Konsequenzen von einem wirtschaftspolitischen Blindflug. Derweil kürzt die Bundesregierung auch bei Zukunftsinvestitionen im Bildunsgbereich.
Die wirtschaftlich wichtigsten Themen dieser Woche sind:
- Montag, 12. August: Bafög-Reformen im Kabinett
- Wirtschaftsfaktor Hitze
- 0,4 Prozent weniger Wachstum

Montag, 12. August: Bafög-Reformen im Kabinett
Am Mittwoch will sich das Kabinett mit der Reform des BAföG befassen. Nach mehreren Vorstößen der Union, die im Koalitionsvertrag vereinbarte Erhöhung zu untergraben, sind seit vergangener Woche die Details bekannt.
Die Anhebung der Wohnkostenpauschale von 380 auf 440 € wird, anders als angekündigt, erst zum Sommersemester 2027 in Kraft treten – und nicht zum Wintersemester 2026. Auch die Anhebung des Grundbedarfs von 475 € auf das Niveau der Grundsicherung (aktuell 563 €) soll erst zum Sommersemester 2029 statt zum Wintersemester 2028/29 kommen.
Im Durchschnitt bekamen Studierende 2025 682 € BAföG. Beide Erhöhungen machen mit 148 € eine Einkommenshöhung von fast 22 Prozent aus. Bitter nötig angesichts dessen, dass ein Drittel der Studierenden in Armut lebt.

Wirtschaftsfaktor Hitze
Während uns die Bilder der Waldbrände in Frankreich noch in Atem halten, explodieren im Balkan wortwörtlich weitere Brandherde. Neben Verwüstungen in Serbien brennt auch ein Gebiet nahe der bosnischen Stadt Trebinje, wo noch zahlreiche Minen liegen und zu Detonationen führen.
Nicht nur die ökologischen Schäden dieser Brände sind massiv, auch wirtschaftliche Katastrophen nehmen zu, wie eine Studie der University of Tasmania in Australien zeigte. Demnach ereignete sich etwas mehr als die Hälfte der Brände zwischen 1980 und 2023, deren wirtschaftlicher Schaden eine Milliarde US-Dollar übertraf, nach 2015. Auch abseits der mediterranen Wälder spüren wir die Folgen der Hitze beinahe täglich – besonders in dicht bebauten Städten. Das Robert-Koch-Institut geht bei konservativer Schätzung mittlerweile von 11 600 Hitzetoten im Jahr 2026 aus. Surplus-Herausgaber Adam Tooze analysiert in einem aktuellen Video die makroökonomischen Konsequenzen von Hitze:
Sollten sich bis 2030 die heißesten Sommer der letzten Jahrzehnte wiederholen, wäre die Erwartung, dass bis 2030 das europäische BIP zwischen 5 und 7 Prozent niedriger liegen würde als im Trend. Das ist angesichts der Wachstumsraten in Europa im Moment in gewisser Weise die Vernichtung des gesamten Wachstums.
Binnenschifffahrt: 0,4 Prozent weniger Wachstum?
Besonders anschaulich werden die wirtschaftlichen Folgen klimawandelbedingter Hitze derzeit durch historisch niedrige Flusspegel im Rhein, in der Donau und in der Elbe. Diese führen zu enormen Frachtbeschränkungen auf wichtigen Wasserstraßen wie dem Rhein. Vergleichswerte zu ökonomischen Folgekosten bietet das Jahr 2018, in dem die Flusspegel ebenfalls auf historische Niedrigwerte sanken. Damals wurde nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft 21 Prozent weniger Frachtmenge verschifft, was zu Einbrüchen des Wirtschaftswachstums um 0,4 bis 0,5 Prozent führte.

So warnt etwa die Chemieindustrie vor Produktionskürzungen; Thyssen-Krupp habe nach Informationen der Tagesschau bereits die Produktion heruntergefahren. Höhere Transportkosten, die entstehen, weil pro Schiff weniger Fracht transportiert werden kann, können sich zudem auch in den Verbraucherpreisen niederschlagen. Im Zuge dessen haben einige Bundesländer das Sonntagsfahrverbot für LKWs aufgehoben, um den Güterverkehr zu entspannen.
Wie stark dieser nächste Schock sich auf die Wirtschaftslage auswirken wird, hängt maßgeblich von der Länge des Niedrigwassers und davon ab, wie viel Prävention aus der Erfahrung von 2018 folgte. Besorgniserregend ist, dass der Niedrigstand 2018 erst im Oktober erreicht wurde und nicht im August. Wenn das aktuelle Niedrigwasser für eine längere Zeit anhält, werden dementsprechend die wirtschaftlichen Schäden höher.

Weitere wichtige Wirtschaftstermine diese Woche:
- Montag, 10. August: BAföG-Reform
- Dienstag, 11. August: Veröffentlichung ILO Global Employment Trends
- Mittwoch, 12. August: Verbraucherpreisindex, Veröffentlichung Bericht: World Agricultural Supply and Demand Estimates
- Donnerstag, 13. August: 65 Jahre nach dem Mauerbau, Ende der 5. Verhandlungsrunde zur UN-Steuerkonvention
- Freitag, 14. August: Großhandelspreisindex

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Einen guten Start in die Woche
Lukas Scholle
