Wagt man derzeit einen Blick in die Hauptstadtpresse, dominieren drei Themen die Berichterstattung über Berlin: Antisemitismus, Nähe zur Clankriminalität und angeblich unvernünftige Enteignungspläne – drei Vorwürfe, die Kommentatoren der Wahlsiegerin Die Linke machen. Dagegen halten sich die großen Medienhäuser bei gesamtwirtschaftlichen Prognosen für einen potenziell rot-rot-grünen Senat eher zurück.
Das ist verwunderlich, sind doch nach Jahren wirtschaftlicher Stagnation – das inflationsbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Bundes war 2025 kaum höher als vor der Coronakrise – Maßnahmen für mehr Wirtschaftswachstum allgemein ein heiß diskutiertes Thema. Dabei könnte man sich von der rot-rot-grünen Berliner Regierung von 2016 bis 2021 durchaus etwas abschauen. Denn Berlin ist sogar stärker als der Bund gewachsen, als SPD, Linke und Grüne die Hauptstadt regierten.
Während das Berliner BIP zwischen 2017 und 2021 – also dem ersten vollen und dem letzten Regierungsjahr von Rot-Rot-Grün – um 8 Prozent angestiegen ist, waren es im Bund nur 1,7 Prozent. Hier ist man schnell geneigt, einen Regierungseffekt zu unterstellen – nicht ganz zu Unrecht, zeigen die Zahlen.
