Der US-Senator Bernie Sanders will die amerikanische Öffentlichkeit über einen Staatsfonds an den größten KI-Unternehmen des Landes beteiligen. In einem Gastbeitrag für die New York Times kündigte Sanders an, in den kommenden Wochen einen Gesetzentwurf mit dem Titel »American A.I. Sovereign Wealth Fund Act« einzubringen.
Der zweimalige Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten warnt schon länger vor den Folgen einer unregulierten KI-Entwicklung. Die Trump-Administration und die Republikaner in Senat und Kongress lassen den Tech-Konzernen weitgehend freie Hand. So ordnete Trump im Dezember 2025 per Dekret an, dass das Justizministerium gegen Bundesstaaten vorgehen soll, die eigene KI-Regeln durchsetzen wollen.
Nicht nur besteuern, sondern auch mitbestimmen
Kern des nun von Sanders angekündigten Vorhabens ist eine einmalige Steuerabgabe in Höhe von 50 Prozent, die nicht auf Gewinne, sondern auf die Aktien der betroffenen Konzerne erhoben werden soll. Namentlich nennt der US-Senator unter anderem OpenAI, Anthropic und xAI. Mit den so eingenommenen Anteilen soll ein Staatsfonds gebildet werden, der den Bürgerinnen und Bürgern einen direkten Eigentumsanteil an den Tech-Konzernen verschafft.
Die US-Regierung erhalte nach den Plänen Stimmrechte sowie eine gleichberechtigte Vertretung in den Aufsichtsgremien der Unternehmen. Damit solle die öffentliche Hand Entscheidungen blockieren können, die US-Bürgern schaden, und Maßnahmen zu deren Gunsten durchsetzen. Die Erträge des Fonds sollen zunächst in Form von Direktzahlungen an die Bevölkerung fließen und später unter anderem Gesundheitsversorgung, Bildung und Wohnen finanzieren.
Die entscheidende Frage sei laut Sanders nicht, ob KI die Welt drastisch verändere – das werde sie ohnehin –, sondern wer diese Technologie besitze und kontrolliere, wer von ihr profitiere und wer durch sie Schaden nehme. Es gehe darum, ob die Technologie das Leben der Menschen verbessere oder ob über die Zukunft der Menschheit eine Handvoll Milliardäre entscheide. Der Senator aus Vermont begründet den Vorstoß damit, dass die Large Language Models auf dem kollektiven, gesammelten Wissen und der kreativen Arbeit der Menschheit beruhen, also auf Büchern, Musik, Kunst, Journalismus, Programmcode und wissenschaftlicher Forschung. Diese seien von den großen Technologiekonzernen größtenteils ohne Erlaubnis, Anerkennung und Kompensation gestohlen worden. Da der Reichtum dementsprechend aus einer öffentlichen Ressource entstehe, müsse er auch der Allgemeinheit zugutekommen.
Sanders verweist zudem darauf, dass die Idee nicht neu sei und teils von KI-Unternehmen selbst stamme: OpenAI und Anthropic hätten ähnliche öffentliche Beteiligungsfonds vorgeschlagen, Elon Musk staatliche Direktzahlungen ins Gespräch gebracht. Als Vorbilder führt Sanders zudem den über zwei Billionen Dollar schweren norwegischen Ölfonds an.
Details zu den geplanten Ausgabeprioritäten und zur konkreten Umsetzung will der Senator mit dem Gesetzesentwurf vorlegen. Wegen der staatlichen Beteiligung an Unternehmen, deren Geschäft nur teilweise auf KI beruht, sei das Vorhaben rechtlich komplex.
