Wer ist der mächtigste Mann der Welt, von dem Sie noch nie gehört haben? Die Antwort lautet möglicherweise »Larry Fink«. Larry Fink ist der Vorstandsvorsitzende von Blackrock, dem weltweit größten Vermögensverwalter. Und obwohl er normalerweise das Rampenlicht meidet, ist Fink seit Langem einer der wichtigsten Entscheidungsträger der globalen Finanzindustrie. In seinen stets mit Spannung erwarteten jährlichen Briefen an Wirtschaftsführer und Investoren skizziert er regelmäßig die seiner Meinung nach wichtigsten Herausforderungen und Chancen für Unternehmen und die Wirtschaft insgesamt. Dank seines Einflusses sind diese Briefe zu einem Gradmesser für die sich wandelnden Erwartungen an den internationalen Finanzmärkten geworden.
Kapitalismus für die arbeitende Klasse?
In seinem jüngsten Brief kritisiert Fink die unregulierte Form eines »Globalismus ohne Leitplanken«, von dem in den letzten 35 Jahren vor allem die Finanzeliten profitiert haben, an dem die arbeitende Klasse jedoch kaum teilhaben konnte. An dessen Stelle stellt sich Fink daher Kapitalmärkte vor, die wirklich den arbeitenden Menschen dienen. Denn indem man laut Fink der breiten Masse die Teilnahme an den Finanzmärkten ermöglicht, erhalten normale Bürgerinnen und Bürger die Chance, vom Wirtschaftswachstum ihres Landes zu profitieren, das sie mit ihrer Arbeit und ihrem Kapital erst ermöglicht haben. Einer der weltweit erfolgreichsten CEOs der Finanzbranche (mit einem geschätzten Nettovermögen von 1,2 Milliarden US-Dollar) fordert einen Kapitalismus für Arbeiterinnen und Arbeiter? Das klingt zunächst einmal eher verdächtig.
