Die 2024 von Isabella Weber formulierte Aufforderung zu einer seriösen Unterhaltung über antifaschistische Wirtschaftspolitik ist gelungen. Seither ist die Idee vielfältig aufgegriffen und diskutiert worden. Es bleiben aber Leerstellen, insbesondere wenn es um die Beachtung von Care geht. Dabei gibt es gerade in der Umsetzung von neuen Sorgestrukturen Beispiele, die die Diskussion um antifaschistische Wirtschaftspolitik vorantreiben können.
Isabella Webers Forderung baut auf der These auf, dass Menschen in einer schlechten wirtschaftlichen Lage tendenziell rechte Parteien wählen. Sie bezieht sich auf Studien, die zeigen, dass AfD-Wählende sowohl ihre eigene wirtschaftliche als auch die gesamtwirtschaftliche Lage als schlecht und ungerecht einschätzen. Um dem etwas entgegenzusetzen, braucht es laut Weber eine Wirtschaftspolitik, die Preise stabilisiere und Löhne erhöhe. Wirtschaftliche Stabilität soll so zu einer Stabilität der Demokratie führen.
Spätestens seitdem die AfD bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg im März 2026 18,8 Prozent der Stimmen holte, ist fraglich, ob dieser Erklärungsansatz ausreicht. Baden-Württemberg hat das zweithöchste Gehaltsniveau in Deutschland und das dritthöchste innerdeutsche BIP. Wenn die Wahl faschistischer Parteien verhindert werden soll, können wirtschaftspolitische Maßnahmen, die hauptsächlich auf mehr Finanzierung für verbesserte Lebensbedingungen abzielen, nicht die einzige Antwort sein.
Wenn es nicht die Wirtschaft ist…
Kritikerinnen des Konzepts der antifaschistischen Wirtschaftspolitik machen dementsprechend weitere Erklärungsansätze für die Wahl rechter Parteien stark. Sie diskutieren neben den ökonomischen auch kulturelle und identitätspolitische Aspekte.
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