Vergangene Woche verkündete der Stanford-Ökonom Charles Jones, dass er seine Universität vorübergehend verlassen werde, um für das Forschungsinstitut des KI-Giganten Anthropic zu arbeiten. Eigentlich kein bemerkenswerter Vorgang, gehört es doch zum akademischen Alltag, dass prominente Ökonomen und Ökonominnen ihre Forschung bei großen Unternehmen fortsetzen. Auch wenn man darüber diskutieren könnte, ob es durch diese Form der Vermischung akademischer und unternehmerischer Motive nicht zu Interessenkonflikten kommt, ist es nicht diese ethische Frage, die den Fall von Jones besonders macht. Vielmehr ist es ein von ihm verfasster Forschungsaufsatz aus dem Jahr 2024, über den die Financial Times kürzlich berichtete, der für Aufregung sorgt.
Grenzenloser KI-Optimismus
Aber der Reihe nach. Charles Jones ist ein renommierter Ökonom, der zu Fragen des Wirtschaftswachstums und der Auswirkung von Technologien auf die Produktivität forscht. 2020 veröffentlichte er als Co-Autor den vielzitierten Aufsatz »Are Ideas Getting Harder to Find?«, der zeigt, dass die Anzahl an Forscherinnen und Forschern zwar steigt, die Anzahl wissenschaftlicher Durchbrüche aber zurückgeht. Im ökonomischen Fachjargon ausgedrückt: Während die Quantität von Wissenschaftlerinnen zunimmt, sinkt ihre Produktivität.
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