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Das Wirtschaftsmagazin

Der China-Schock 2.0 für die deutsche Wirtschaft

Chinas Aufholjagd trifft Deutschlands Autoindustrie hart. Ist die Krise hausgemacht?

9 Minuten Lesedauer
Adam Tooze, im Hintergrund Li Qiang beim »Sommer-Davos«. Collage: Surplus, Material: picture alliance/Ger Harley/EdinburghElitemedia,IMAGO/Xinhua
Collage: Surplus, Material: picture alliance/Ger Harley/EdinburghElitemedia,IMAGO/Xinhua

Während der Rede von Premierminister Lǐ Qiáng bei der Eröffnungssitzung des »Sommer-Davos« im chinesischen Dalian geschah etwas Ungewöhnliches: Es wurde gelacht.

Bei Reden des Premierministers während des Wirtschaftstreffens in China ist der Saal stets bis auf den letzten Platz gefüllt: Tausende Führungskräfte, Politiker, einige Thinktank-Vertreter, sonstige »Fachleute« und Wissenschaftler sitzen in hierarchisch angeordneten Blöcken eng beieinander. Dunkle Anzüge und Business-Casual-Kleidung, schwarze Poloshirts dominieren das Bild. Das Publikum ist überwiegend männlich. Mikrofonträger und Kameraleute schwirren umher, um Reaktionen einzufangen. Hunderte uniformierte Platzanweiser lotsen die Menschen zu ihren Plätzen. Im Hintergrund, entlang der Wände des Saals, steht das Sicherheitspersonal, die Funkgeräte am Ohr. Man könnte eine Stecknadel fallen hören. Was man hier nicht erwartet, ist Gelächter.

Für Nicht-Chinesischsprachige machte eine leichte Verzögerung bei der Übersetzung das Lachen noch überraschender. Der Ministerpräsident schien zu improvisieren. Zur ungewöhnlichen Reaktion des chinesischen Publikums kam es, als er witzelte, China sei viel »zu arm«, um hohe Subventionen zahlen zu können, die den blendenden Erfolg seiner Exportindustrie erklären könnten. Es war eine gelungene, zweideutige Bemerkung, die eine ganz andere Botschaft vermittelte als der offiziell veröffentlichte Text.

Merkantilistische Gewalt gegen andere Merkantilisten

Die Rede des chinesischen Premiers beim »Sommer-Davos« enthält immer eine Hauptbotschaft. Vor zwei Jahren ging es um Chinas makroökonomisches Gleichgewicht; im vergangenen Jahr um den Welthandel. 2026 befasste er sich mit dem »China-Schock 2.0«. So kurz, so klar.

Die Nummer zwei der Volksrepublik ging damit direkt auf den Begriff ein, den wir meines Wissens nach Brad Setser verdanken, einem US-amerikanischen Ökonomen, ehemaligen Beamten der Obama- und Biden-Regierungen sowie einem herausragenden makroökonomischen Kommentator.

Lǐ Qiángs Ausführungen zur These vom China-Schock 2.0 hatten durchaus ihre Highlights. Seine Argumente zur unbändigen Energie der chinesischen Unternehmer und Ingenieurteams waren recht stichhaltig. Mir gefiel auch, wie er die »Möglichkeiten Chinas« hervorhob. Diese sind real, insbesondere im Hinblick auf »neue Energien«. Doch Peking wird wohl mehr tun müssen, wenn es auf die Warnungen reagieren will, die beispielsweise Tordoir und Setser in ihrem jüngsten CER-Papier oder Setser und Shahin Vallée in Foreign Affairs geäußert haben.

Der China-Schock 2.0 hat offenbar nicht nur in Peking, sondern auch in Berlin tiefen Eindruck hinterlassen, wo Bundeskanzler Friedrich Merz sich den Vorwurf zu eigen macht, die chinesische Währung sei unterbewertet. Das geschah praktisch zeitgleich zur Ankündigung, bei VW sollten massive Stellenstreichungen vorgenommen werden. Das Ausmaß der Industrieprobleme in Deutschland wurde deutlich.

Die Verschiebungen in Chinas Handelsbilanz mit Europa sind wahrlich dramatisch. Daten von Cedric Gemehl von Gavekal sind hier aufschlussreich: Das Handelsdefizit hat sich aus europäischer Sicht in den Jahren seit der Coronavirus-Pandemie ungefähr verdoppelt.

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