Nachdem Labour im Mai bei den Wahlen herbe Niederlagen erlitten hatte, versuchte Premierminister Keir Starmer seiner Regierung mit einer Rede neuen Schwung zu verleihen. Er betonte, dass »schrittweise Veränderungen nicht ausreichen«. Doch die konkreten Maßnahmen klangen im Vergleich zu den großspurigen Ankündigungen ziemlich dürftig: die Verstaatlichung von British Steel? Vielleicht, nach einer Prüfung des öffentlichen Interesses. Eine Annäherung an die EU? Nur sehr eingeschränkt, etwa beim Ausbau des Studierendenaustauschs.
Diese Maßnahmen sind keineswegs unwichtig, aber sie läuten keinen Umbruch ein. Die Fortsetzung eines vorsichtigen Ansatzes, der im Gegensatz zu großen Ankündigungen steht, hat den deutschen Bundeskanzler Friedrich Merz mit beispiellos niedrigen Zustimmungswerten ebenfalls in die Enge getrieben. Nachdem für 2025 »ein Herbst der Reformen« versprochen worden war, wurde vieles an Kommissionen verwiesen oder aufgrund interner Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Regierung verzögert. Während die Koalition aus CDU/CSU und SPD ein großes mehrjähriges Investitionspaket schnürte, wurden die Budgets für mehrere Kernaktivitäten, die das Leben vieler Menschen betreffen, deutlich gekürzt.
Haushaltsentscheidungen sind schwierig. Und sowohl in Großbritannien als auch in Deutschland wird der Kurs durch den Verweis auf eine Bevölkerung, die Schulden prioritär ablehnt, gerechtfertigt. In einer neuen Studie im Cambridge Journal of Economics zeigen wir jedoch, dass in beiden Ländern Menschen Staatsschulden zwar nicht egal sind, sie aber nicht grundlegend abgelehnt, sondern von der Mehrheit unterstützt werden, wenn dies Investitionen ermöglicht.
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