Als Elinor Ostrom im Herbst 2009 den Wirtschaftsnobelpreis erhielt, war die Welt der Ökonomie irritiert. Nicht nur, weil Ostrom als erste Frau Trägerin des renommiertesten Preises der Wirtschaftswissenschaften wurde. Sie war vor allem eine Forscherin, deren Denken und Methodik nicht dem entsprachen, was an den Wirtschaftsfakultäten als seriöse Wissenschaft galt. Ostrom hatte keine allgemeinen Gleichgewichtsmodelle entworfen, nicht mit mathematischen Formeln menschliches Verhalten vorhergesagt.
Der Nobelpreis, den sie für ihre »Analyse der wirtschaftlichen Steuerung vor allem von Gemeingütern« erhielt, wie es das Nobelpreiskomitee formulierte, war die späte, aber umso bemerkenswertere Anerkennung einer Forscherin, die mit ihren Arbeiten den Menschen verstehen wollte. Und darin nicht den rationalen Nutzenmaximierer, den homo oeconomicus, entdeckte, sondern ein kommunizierendes und kooperierendes Wesen. Hierzu hatte sie jahrzehntelang Feldforschung betrieben und akribisch dokumentiert, wie Menschen jenseits von Markt und Staat nachhaltige Bewirtschaftung gemeinsamer Ressourcen gestalteten.