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Kohlrausch: »Kürzungen beim Elterngeld sind skandalös«

Schwarz-Rot plant Kürzungen beim Elterngeld. WSI-Direktorin Bettina Kohlrausch warnt im Interview: Das trifft vor allem Frauen und Arme – und treibt sie nach rechts.

6 Minuten Lesedauer
Bettina Kohlrausch forscht zur Arbeit und sozialer Integration. Credit: HBS

Schwarz-Rot hat den Bundeshaushalt beschlossen, beim Elterngeld soll gespart werden. Bettina Kohlrausch, Wissenschaftliche Direktorin des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der Hans-Böckler-Stiftung (WSI), erklärt im Interview, warum das Frauen nach rechts treiben könnte und die Ungleichheit befeuert.

Matthias Ubl: Beim Elterngeld soll gespart werden. Bildungsministerin Prien soll insgesamt 500 Millionen Euro weniger ausgeben, um den Bundeshaushalt zu konsolidieren. Nur noch zwölf statt vierzehn Monate soll das Elterngeld nun dem neuen Gesetzentwurf zufolge gezahlt werden. 

Kürzungen sind in diesem Bereich eigentlich ein Tabu, doch wenn ich mir anschaue, wie mit Frauen und Kindern in den letzten Jahren umgegangen wurde, würde mich nicht wundern, wenn das so kommt. Mein Gefühl ist, dass die Familienministerin nicht sehr durchsetzungsfähig ist und auch systematisch in der Politik eine männliche Perspektive vorherrscht. Insofern wäre ich jetzt nicht überrascht. Aber ich finde es politisch wie gesellschaftlich einen großen Fehler – und, wenn ich das als Mutter sagen darf, skandalös. Darin drückt sich eine Politik der Missachtung der Leistung von Menschen aus, die sich um andere kümmern.

Der Lohnersatz bleibt allerdings bei 65 Prozent. Es soll nun drei statt zwei Vätermonate geben. Ist das sinnvoll?

Ich finde es richtig, zu sagen, dass man einen bestimmten Teil des Elterngeldes nur dann gibt, wenn er vom Vater genommen oder gleichberechtigt aufgeteilt wird – und ich fände es auch richtig, diesen Teil zeitlich zu verlängern. Diese Logik zu etablieren, finde ich wichtig. Allerdings nicht, wenn das auf eine faktische Kürzung hinausläuft, sondern nur, wenn man das Elterngeld gleichzeitig verlängert. Das andere ist: Viele Eltern, gerade in unteren Einkommensgruppen, entscheiden sich momentan aus rein ökonomischen Gründen gegen die Elternzeit – weil die Lohnersatzleistung einfach nicht ausreicht. Solange dieses Problem nicht gelöst ist, kann man diese Struktur nicht einfach so etablieren.

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