Die Legitimität der Wirtschaftswissenschaften als akademische Disziplin und Instrument der Politikgestaltung steht spätestens seit der Finanzkrise von 2008 unter anhaltendem Beschuss. Doch nur wenige Kritiker versuchen, sich mit den Ursprüngen der Disziplin und dem ihr zugrunde liegenden Zweck auseinanderzusetzen. Nun hat Antara Haldar, Rechtswissenschaftlerin an der Universität Cambridge, in einem neuen Buch mit dem Titel Everyman: The Untold Story of Economics die Aufmerksamkeit auf beide Fragen gelenkt.
Ihre Darstellung ist fabelhaft – und das in mehr als einer Hinsicht. Es handelt sich um eine Fabel, die (in drei Akten) wie ein Theaterstück mit allegorischen Figuren (Neo, Tina, Tek, Finn, Davos und so weiter) aufgebaut ist und in einer Mischung aus literarischen Stilen erzählt wird (mit Hommagen unter anderem an John Steinbeck, Oscar Wilde und Ernest Hemingway), die den trostlosen Konformismus der Mainstream-Ökonomen in den Schatten stellt. Das Ergebnis ist eine »Geschichte« der Wirtschaftswissenschaften wie keine andere: zu gleichen Teilen Fantasie und Wahrheit.