Die Männer-Fußball-WM: eine Zeit, in der besonders konsequent »Fußball« gesagt – und Männerfußball gemeint wird. Aber da gibt es noch diesen anderen Fußball. Ein Blick auf die Frauen lohnt sich nicht nur, weil die Männer in diesem Jahr so früh ausgeschieden sind und eine deutsche Fußballnationalmannschaft bei der WM nächstes Jahr in Brasilien erneut die Chance auf einen Titel hat. Deutschland trägt auch in nur drei Jahren, im Jahr 2029, selbst eine EM aus. Der Boom, der in England auf die Heim-Frauen-EM 2022 folgte, könnte als Vorbild dienen – aber sollte er das auch?
2025 waren 8 der 15 umsatzstärksten Frauen-Teams weltweit englische Vereine. Arsenal, auf Platz 1 der Liste, generierte 25,6 Millionen Euro Umsatz. Der erste deutsche Verein auf der Liste: Bayern München mit 7,2 Millionen Euro auf Platz 9. Dabei galt die deutsche Frauen-Bundesliga Anfang der 2010er Jahre noch als stärkste Liga Europas.
Das Wachstum der englischen Liga, der Women’s Super League (WSL), lässt sich nicht ohne die Heim-EM 2022 erklären. Das Fundament wurde allerdings bereits einige Jahre zuvor gelegt. Die WSL wurde 2010 unter der Schirmherrschaft des englischen Fußballverbands, der Football Association (FA), gegründet. Seit der Saison 2018/2019 verpflichtet die FA alle WSL-Clubs, professionelle Rahmenbedingungen für ihre Spielerinnen zu bieten. Die Vorgaben umfassen eine eigene Jugendakademie, jährliche Mindestinvestitionen in die Frauenabteilung und mindestens 16 und ab 2020/2021 mindestens 20 Wochenstunden Training. Von da an wurde Fußballspielen für alle Frauen in der englischen ersten Liga zu einem Vollzeitjob. Um den Sprung von der zweiten in die erste Liga nicht zu groß werden zu lassen, wurden auch für die zweite Liga semiprofessionelle Standards eingeführt.