Guten Morgen,
während sich in Deutschland die Wirtschaftslage leicht verbessert, scheint es international größere Fortschritte für etwas mehr Stabilität zu geben. Die USA und der Iran befinden sich in den Endzügen der Verhandlungen für einen Frieden und zwischen den USA und der EU wird diese Woche das zentrale Zollabkommen im EU-Parlament verabschiedet.
Die wirtschaftlich wichtigsten Termine der Woche sind:
- Die ganze Woche: Frieden in Nahost?
- Dienstag, 16. Juni: ZEW-Konjunkturerwartung
- Dienstag, 16. Juni: Abstimmung EU-Parlament über Umsetzung des EU-US-Handelsabkommens

Die ganze Woche: Frieden in Nahost?
Gestern Abend kündigte Donald Trump einen Deal mit dem Iran an. Laut Pakistans Präsident soll die Unterzeichnung am 19. Juni in der Schweiz sein. Damit sind ein Ende des Kriegs und eine wirtschaftliche Entspannung in Sichtweite. Bloomberg berichtet über diese Punkte:
- Iran und die USA erklären zusammen mit ihren Verbündeten im Konflikt durch die Unterzeichnung dieser Absichtserklärung die sofortige und endgültige Einstellung des Krieges an allen Fronten, einschließlich im Libanon. Sie verpflichten sich, künftig keinen Krieg mehr gegeneinander zu beginnen und von der Androhung oder Anwendung von Gewalt gegeneinander abzusehen. Das endgültige Abkommen wird die endgültige Einstellung des Krieges und die übrigen Bestimmungen dieser Klausel bestätigen.
- Iran und die USA werden die Souveränität und territoriale Integrität des jeweils anderen respektieren und sich nicht in die inneren Angelegenheiten des anderen einmischen.
- Iran und die USA werden Verhandlungen führen und innerhalb von 60 Tagen eine endgültige Vereinbarung erzielen; dieser Zeitrahmen kann mit Zustimmung beider Parteien verlängert werden.
- Unmittelbar nach Unterzeichnung dieser Absichtserklärung werden die USA mit der Aufhebung ihrer Seeblockade beginnen und den Schiffsverkehr innerhalb von maximal 30 Tagen wieder vollumfänglich aufnehmen. Die USA verpflichten sich außerdem, ihre Streitkräfte innerhalb von 30 Tagen nach einer endgültigen Vereinbarung aus der Golfregion abzuziehen.
- Der Iran wird unverzüglich Vorkehrungen treffen, um den Transit von Handelsschiffen vom Persischen Golf zum Golf von Oman und umgekehrt wieder aufzunehmen und innerhalb von 30 Tagen wieder das Vorkriegsniveau zu erreichen, wobei die Notwendigkeit der Beseitigung technischer Hindernisse und Minen zu berücksichtigen ist.
- Die USA und ihre regionalen Partner verpflichten sich zur Schaffung eines Programms für den Wiederaufbau und die wirtschaftliche Entwicklung Irans mit einem Finanzierungsvolumen von mindestens 300 Milliarden US-Dollar. Der Mechanismus für dieses Programm wird Bestandteil des endgültigen Abkommens sein.
- Die USA stimmen zu, dass alle Arten von Sanktionen, denen Iran ausgesetzt ist, einschließlich Resolutionen des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen und des Gouverneursrats der IAEA, sowie alle einseitigen primären und sekundären Sanktionen der USA im Rahmen des endgültigen Abkommens innerhalb eines gemeinsam vereinbarten Zeitrahmens aufgehoben werden.
- Der Iran bekräftigt, niemals Atomwaffen herzustellen. Der Iran und die USA werden die Zukunft der iranischen Urananreicherung und ihrer Vorräte an angereichertem Material sowie alle anderen nuklearen Angelegenheiten, einschließlich des iranischen Nuklearbedarfs, erörtern. Ein auf den Ergebnissen dieser Gespräche basierender Rahmen hierfür wird in das endgültige Abkommen aufgenommen.
- Iran und die USA werden den Status quo bis zum endgültigen Abkommen aufrechterhalten: Iran behält seinen aktuellen Status als Atomprogramminhaber bei, und die USA verhängen keine neuen Sanktionen gegen Iran und verstärken ihre Streitkräfte in der Region nicht.
- Die USA verpflichten sich, unmittelbar nach Unterzeichnung dieser Absichtserklärung und bis zur Aufhebung der Sanktionen Ausnahmegenehmigungen des Finanzministeriums für den Export von iranischem Rohöl, petrochemischen Produkten und deren Derivaten sowie für alle damit verbundenen Dienstleistungen – einschließlich Bankgeschäften, Versicherungen und Transport – zu erteilen.
- Die USA verpflichten sich, die gesperrten oder eingefrorenen Gelder und Vermögenswerte Irans im Einklang mit dem Fortschritt der Verhandlungen über ein endgültiges Abkommen freizugeben und vollumfänglich nutzbar zu machen. Diese Gelder können zur Auszahlung an jeden von der iranischen Zentralbank benannten endgültigen Begünstigten verwendet werden. Die USA verpflichten sich, alle hierfür erforderlichen Genehmigungen und Lizenzen zu erteilen.
- Iran und die USA werden einen Mechanismus zur Überwachung der Umsetzung des endgültigen Abkommens schaffen.
- Nach Unterzeichnung dieser Absichtserklärung und nach Sicherstellung des Inkrafttretens und der Umsetzung der Klauseln 4, 5, 10 und 11 werden Iran und die USA Verhandlungen über ein endgültiges Abkommen aufnehmen, die sich ausschließlich auf die verbleibenden Klauseln beziehen.
- Die endgültige Vereinbarung wird durch eine verbindliche Resolution des UN-Sicherheitsrates bestätigt.
Wir werden sehen, was davon stimmt und wie die ökonomischen Einschätzungen dessen ausfallen werden. Interessant ist aber auch, was nicht mehr drinsteht: Die Abgabe für den Iran auf den Verkehr in der Straße von Hormus. Eine Abgabe, die dutzende Milliarden US-Dollar an Aufkommen zur Folge hätte haben können.
Durch die Annäherung Ende der letzten Woche fiel schon zum Freitag der Ölpreis auf rund 85 Dollar pro Barrel. Eine der entscheidenden Fragen in den nächsten Wochen dürfte werden: Auf welches Niveau fällt der Ölpreis, wenn es tatsächlich ein Abkommen gibt? Das Vorkrisenniveau lag bei circa 65 Dollar pro Barrel.
Dienstag, 16. Juni: ZEW-Konjunkturerwartung
Am Dienstag wird das ZEW (Leibniz-Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung) die Konjunkturerwartungen für Juni veröffentlichen. Erwartet eine leichte Steigerung im Vergleich zu Mai oder April: Von -10,2 Punkten soll der Index demnach im Juni auf -8 Punkte steigen. Die Umfrage basiert auf der Befragung von 300 Expertinnen und Experten aus Banken, Versicherungen, Finanzabteilungen und ausgewählten Großunternehmen.

Dienstag, 16. Juni: Abstimmung EU-Parlament über Umsetzung des EU-US-Handelsabkommens
Voraussichtlich positiv wird das Votum des EU-Parlaments am Dienstag in Bezug auf das Handelsabkommen zwischen der EU und den USA ausfallen. Vor wenigen Wochen hatte Trump den Druck mit weiteren Zollandrohungen erst wieder erhöht, um den Abschluss des Abkommens zu beschleunigen.
So haben sich Verhandlungsführer des Parlaments sowie der EU-Kommission Ende Mai bereits darauf geeinigt, die Zölle auf US-Industriegüter abzuschaffen und US-Agrarprodukten und -Meeresfrüchten einen besseren Marktzugang zu gewähren.
Dafür sollen US-Zölle auf EU-Produkte, insbesondere Stahl und Aluminium, künftig mit Zöllen von maximal 15 Prozent belegt werden. Zudem soll der ursprüngliche Vorschlag um eine sogenannte »Sunset«-Klausel verschärft werden. Diese sieht vor, dass die EU-Kommission die Aussetzung der Zölle prüfen kann, sollten die USA ihre Zölle auf Stahl und Aluminium bis Ende des Jahres nicht gesenkt haben. Ferner sollen Schutzmechanismen eingeführt werden für den Fall, dass die Absenkung der Zölle auf US-amerikanische Produkte dazu führt, dass Importe ansteigen und den europäischen Markt gefährden. Auch wenn dieser Deal am Dienstag unterzeichnet wird, ist es nur eine Frage der Zeit, bis er wieder zur Debatte stehen wird.

Weitere wichtige Wirtschaftstermine diese Woche:
- Montag, 15. Juni: Frankfurt Euro Finance Summit (FEFS) Deutschland und seine »Equity Story« – oder vom »Sondervermögen« zum Vermögen. Erster Tag G7-Gipfel zu dem Verhältnis der Partner zu den USA unter Präsident Trump, Handelsfragen, Iran- und Ukraine-Krieg, Veröffentlichung des Berichts »Bildung in Deutschland 2026« mit Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU), Großhandelspreisindex
- Mittwoch, 17. Juni: Jahrestagung für Biodiversität in der Wirtschaft, Eurostat-Inflationszahlen Mai
- Donnerstag, 18. Juni: Hauptversammlung VW AG, Ifo-Konjunkturprognose, Abschluss UN-Klimakonferenz, Deutscher Immobilientag des Immobilienverbandes IVD
- Freitag, 19. Juni: Bundesparteitag Die LINKE, Erzeugerpreisindex

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Einen guten Start in die Woche
Lukas Scholle