Im Zentrum der Klimapolitik steht ein Paradoxon. Weltweit möchte eine überwältigende Mehrheit der Menschen, dass Regierungen die globale Erwärmung bekämpfen. Doch in vielen großen Volkswirtschaften unterstützt die Wählerschaft Parteien, die die Klimakrise leugnen oder herunterspielen.
Das Klimaparadoxon hat seine Wurzeln in einem tiefsitzenden Gefühl wirtschaftlicher Ungerechtigkeit. Während Elon Musk Anfang dieses Jahres kurzzeitig zum weltersten Billionär wurde, ergab eine von Ipsos für Earth4All durchgeführte Umfrage, dass vier von zehn Menschen in den großen Volkswirtschaften befürchten, sich in den nächsten zwölf Monaten die Befriedigung von Grundbedürfnissen nicht mehr leisten zu können. In einkommensschwachen Ländern ist die wirtschaftliche Unsicherheit noch akuter.
Hinter dieser Zahl verbergen sich vier Jahrzehnte gebrochener Versprechen. Die neoliberale Vision vom »Trickle-down-Effekt« hat sich nicht bewahrheitet. Die Finanzkrise von 2008 und die darauf folgenden globalen Schocks legten ein System offen, in dem Gewinne privatisiert und Risiken sozialisiert werden. Die Kosten werden dabei unverhältnismäßig stark von den Armen getragen. Die Folge ist ein zunehmendes Misstrauen gegenüber Regierungen. Dennoch bitten diese Regierungen die Menschen nun, ihren Versprechen zu vertrauen, dass der derzeitige tiefgreifende Wandel gerechter sein werde als der letzte.