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Das Wirtschaftsmagazin

Gynäkologin zur GKV-Reform: »Das kann nicht funktionieren«

Eine Frauenärztin rechnet vor, warum die GKV-Reform ihre Praxis wirtschaftlich an die Grenze bringt – und die Gesundheit von Frauen und Kindern gefährdet.

12 Minuten Lesedauer
Gynäkologin Wibke Cornelius im Vordergrund, im Hintergrund ein Ultraschall an einer Schwangeren. Collage: Surplus, Material: Wibke Cornelius, IMAGO/imagebroker
Wibke Cornelius ist Gynäkologin und kritisiert die GKV-Reform. Collage: Surplus, Material: Wibke Cornelius, IMAGO/imagebroker

Eine Patientin steht am Tresen und fragt nach einem Termin – und Wibke Cornelius muss ihr schon jetzt sagen, dass es schwierig wird. Kommendes Jahr, fürchtet die Augsburger Gynäkologin, wird es noch enger: 20 Prozent weniger Termine und ein kleineres Budget für gleichzeitig mehr Leistungen. Der Grund: die Reform der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), die der Bundestag knapp vor der Sommerpause verabschiedet hat und gegen die sich in der Ärztinnen- und Ärzteschaft Protest formiert. Im Interview erklärt die niedergelassene Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe anhand konkreter Zahlen, was passiert, wenn

Xenia Miller: Sie sind Frauenärztin und haben unter anderem in den sozialen Medien Ihrem Ärger über die GKV-Reform Luft gemacht. Was hat Sie dazu bewegt?

Wibke Cornelius: Ich glaube, dass die allerwenigsten Menschen verstehen, was da gerade passiert – und wir müssen es ihnen erklären. Es herrscht ja immer noch diese Mär vom reichen Arzt, der mittwochs mit dem Porsche zum Golfplatz fährt. Das ist völliger Quatsch. Viele Praxen haben schon jetzt wirtschaftliche Probleme und überlegen, wie es weitergehen soll. Und dann kommt so eine Reform, die uns einfach den Boden unter den Füßen wegzieht. Die Politiker schaffen es nicht einmal, ehrlich zu sein, und überlassen uns die Kommunikation. Das finde ich schäbig. Wir bekommen das ja direkt mit: Die Menschen stehen am Tresen und fragen nach einem Termin – und wir müssen ihnen schon jetzt sagen, dass es schwierig aussieht. Dann fragen die Patientinnen, wieso sie keinen Termin bekommen, auch wenn sie schon fünf Jahre bei uns sind. Und dann kam auch noch dieses Beitragsstabilisierungsgesetz dazu, im Volksmund »Spargesetz« genannt. Das Ergebnis ist, dass ich mit den bereits für nächstes Jahr vereinbarten Terminen voraussichtlich schon das Budget überschreiten werde, das ab 2027 gelten wird. Ich habe schon bis September 2027 Termine für Vorsorgeuntersuchungen vereinbart, weil ja keiner wusste, dass ab nächstem Jahr die Vorsorge in das Budget fallen und dieses auch noch kleiner sein wird als zuvor.

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