Die Inflation ist zurück. Oder besser gesagt: Die Schlagzeilen über die Inflation sind zurück. Denn was sich infolge des Irankriegs derzeit auf den Energie- und Rohstoffmärkten abzeichnet, ist nicht die Rückkehr jener gefürchteten Inflation, vor der konservative Ökonomen seit Jahrzehnten warnen. Es ist erneut ein externer Preisschock.
Wieder steigen Öl- und Gaspreise nicht, weil die deutsche Wirtschaft überhitzt wäre, Beschäftigte zu hohe Löhne durchgesetzt hätten oder der Staat angeblich zu viel Geld ausgibt. Sondern weil eine geopolitische Eskalation die Preise fossiler Energie nach oben treibt. Besonders die Straße von Hormus – jene Meerenge, durch die rund ein Fünftel des globalen Ölhandels läuft – wird zum Nadelöhr der Weltwirtschaft. Das klingt zunächst nach einer technischen Unterscheidung. Tatsächlich ist es aber der entscheidende ökonomische Unterschied – und zwar deshalb, weil davon abhängt, welche Politik sinnvoll ist und welche die Krise nur verschärft.
Erst das Benzin, dann die Butter
Die gefürchtete Inflation, vor der Ökonomen und Zentralbanker traditionell warnen, beschreibt einen dauerhaften allgemeinen Preisanstieg. Typischerweise entsteht so etwas dann, wenn die gesamtwirtschaftliche Nachfrage über längere Zeit stärker wächst als das Angebot. Unternehmen können dauerhaft höhere Preise verlangen, Gewerkschaften setzen höhere Löhne durch, diese höheren Löhne treiben wiederum Preise – die klassische Lohn-Preis-Spirale. In einem solchen Szenario ergibt es zumindest theoretisch (halbwegs) Sinn, dass Zentralbanken die Nachfrage mit höheren Zinsen bremsen oder Staaten ihre Ausgaben zurückfahren.

