Während Milliarden Menschen um bezahlbare Mieten, stabile Löhne oder schlicht genug Essen kämpfen, sammelt sich Vermögen immer schneller bei sehr Wenigen: Weltweit verfügen die obersten 0,001 Prozent – weniger als 60.000 Multimillionärinnen und -millionäre – zusammen über dreimal so viel wie die gesamte ärmere Hälfte der Menschheit. Und auch in Deutschland ist Vermögen extrem ungleich verteilt. Das oberste Zehntel hält 54 Prozent des Nettovermögens, die untere Hälfte etwas mehr als 2,4 Prozent. Vor diesem Hintergrund argumentiert die Philosophin und Politökonomin Ingrid Robeyns im Surplus-Interview: Reiche stärker zu besteuern reicht nicht – wenn Vermögen politische, soziale und ökologische Schäden verursacht, braucht es eine Vermögensobergrenze.
Frau Robeyns, sollten Milliardäre wie der Amazon-Eigentümer Jeff Bezos oder Deutschlands Lidl- und Kaufland-Milliardär Dieter Schwarz abgeschafft werden?
Niemand sollte so viel Vermögen besitzen, dass er der Gesellschaft schaden kann. Und ich finde, eine Milliarde ist definitiv ein Betrag, mit dem man der Gesellschaft schaden kann. Man kann eine Zeitung aufkaufen und dann die freie Presse unterdrücken, man kann Klimaleugner dafür bezahlen, Lügen zu verbreiten, oder man kann einen Präsidentschaftskandidaten massiv sponsern, damit dieser sich für einen einsetzt, was die politische Gleichheit untergräbt. Die Schlüsselfrage ist: Ab welchem Punkt treten die Schäden ein?
Die Vermögensobergrenze sollte also dort liegen, wo Schaden für die Gemeinschaft beginnt?
