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Das Wirtschaftsmagazin

»Kaufen« die USA Grönland? + Von Irans Wirtschaftsprotesten zur Revolution? + Sitzungswoche im Bundestag

Die spannendsten Wirtschaftsfragen der Woche sind: Kaufen die USA Grönland? Gibt es im Iran eine Revolution? Und wie läuft die Sitzungswoche im Bundestag?

4 Minuten Lesedauer

7. Januar 2025: Trumps Sohn landet mit dem Familienflieger in Grönland. Credit: IMAGO / Ritzau Scanpix

Guten Morgen,

wie schnell das Jahr 2026 an Tempo aufnimmt, ist schon beachtlich. Erst Trumps Venezuela-Aktion, dann die potenzielle Annexion Grönlands, gleichzeitig Massenproteste im Iran. Klar ist damit: Ruhig wird es dieses Jahr nicht, doch ob die positiven oder die negativen Aspekte überwiegen, wird sich zeigen. Mit Adam Tooze habe ich auf das kommende Jahr in unserem Podcast geblickt (zu Spotify, zu YouTube) – wir besprechen, ob ein Boom oder ein Crash wahrscheinlicher ist. 

Aber es gibt auch eine tolle Neuigkeit: Surplus hatte am Samstag seinen ersten Geburtstag. Das erste Jahr ist bekanntlich das schwierigste. Umso toller wird all das, was wir in der Zukunft vorhaben – unter anderem mit unserer neuen weiteren Herausgeberin Martyna Linartas. Was wir noch so vorhaben, gibt es hier nachzulesen. 👇 

1. Geburtstag und neue Herausgeberin
Heute wird Surplus ein Jahr alt: Dafür haben wir drei Überraschungen.

Die wirtschaftlich wichtigsten Termine der Woche sind:

  • Mittwoch, 14. Januar: »Kaufen« die USA Grönland?
  • Die ganze Woche: Von Irans Wirtschaftsprotesten zur Revolution?
  • Ab Mittwoch: Sitzungswoche im Bundestag

Mittwoch, 14. Januar: »Kaufen« die USA Grönland?

Im Laufe der Woche trifft US-Außenminister Marco Rubio Regierungsvertreter Dänemarks. Dabei soll es primär um die Interessen der USA an Grönland gehen. Dafür werden in den USA schon hochoffiziell Kaufbedingungen erörtert. Konkret soll es um eine Summe von zehn bis hunderttausend US-Dollar pro Person gehen. Bei 57.000 Einwohnern wären das 0,57 bis 5,7 Milliarden US-Dollar, ein Schnäppchen für die USA. Vor allem, wenn man sich den potenziellen Wert von Grönland ansieht. Die Schätzungen liegen zwar meilenweit auseinander, aber auch meilenweit über der Entschädigung von Donald Trump.

Beispielhaft für die unterschiedlichen Ansätze sind Schätzungen von der Financial Times und von The Economist. In der Financial Times wurde der Wert des Gebiets auf 1,1 Billionen US-Dollar geschätzt. In einer Sum-of-the-Parts-Analyse wurden die einzelnen Teile aus potenziellen Ölfeldern mit 300 bis 400 Milliarden US-Dollar, seltene Erden mit 500 bis 700 Milliarden US-Dollar und Immobilien mit 200 bis 220 Milliarden US-Dollar bewertet. Ein anderer Ansatz wurde im Economist mit den Verfahren der discounted cash flows gewählt. Dabei wurde nicht die potenzielle Wirtschaftsleistung des Landes, sondern der Wert anhand der Fortschreibung der realen Wirtschaftsleistung und daraus folgender künftiger Steuerzahlungen bewertet. Das Ergebnis waren 50 Milliarden Dollar, immerhin das Zehnfache von Trumps bisheriger preislicher Obergrenze. 

All das bleiben hoffentlich nur ökonomische Gedankenspiele. Denn der politische Sprengstoff, der in der Grönlandfrage schlummert, ist schlicht immens. Doch sollte es zu einer Annexion kommen, wird die Frage der Entschädigung eine ökonomische Grundsatzdiskussion einleiten. 


Die ganze Woche: Von Irans Wirtschaftsprotesten zur Revolution? 

Im Iran toben die Proteste gegen das Regime. Viel erfährt man aufgrund des ausgeschalteten Stroms und Internets nicht. Anzunehmen ist, dass es viele Tote und noch viel mehr Verletzte geben wird. Nicht nur hält die Unterdrückung der Menschen an, obendrein hat sich die Wirtschaftslage im Iran weiter verschlechtert und wurde nun sogar zum Auslöser der Proteste.

Am 28. Dezember protestierten Besitzer von Elektronikläden aufgrund der massiven Abwertung des Rial und des Anstiegs der Inflation auf über 40 Prozent. Gründe dafür sind fallende Ölpreise, Sanktionen, Korruption und der steigende Umtausch von Rial in wertbeständigere Zahlungsmittel.

Aus der Inflation und der Abwertung folgte für die Ladenbesitzer Unkenntnis, wie sie ihre Preise setzen sollen und wie viele Verluste sie bereits eingefahren haben. Im Zuge dieser Proteste wurde bereits der Chef der iranischen Zentralbank ausgewechselt und der Präsident kündigte Wirtschaftsreformen an. Eine eher kleinbürgerliche Schicht – oft Ladenbesitzer – trägt derzeit die Proteste, aus denen vielleicht sogar eine Revolution im Iran werden könnte. 


Ab Mittwoch: Sitzungswoche im Bundestag

Die wirtschaftlich wichtigsten Themen im Bundestag sind: 

  • Die Grünen fordern in einem Antrag eine Mittelstandsoffensive mit Forderungen nach Stromsteuersenkungen, über Innovationsförderung und Intensivierung des Wettbewerbs hin zur Entbürokratisierung. Dabei wird auch ein Antrag zur Forderung einer nationalen Wärmepumpenstrategie gefordert. 
  • Die AfD bringt einen Antrag zur Förderung von »Steuerfairness« ein, der die Abschaffung der Erbschaft- und Schenkungsteuer vorsieht.
  • Die Regierung bringt ihren Gesetzentwurf zur neuen Grundsicherung und zur Anpassung der Leistungsgewährung von Schutzbedürftigen ein. Gleichzeitig werden gegenteilige Anträge der Linken beraten.
  • Die Linke bringt einen Antrag ein, um »Mieterinnen und Mieter besser schützen« (liegt noch nicht vor)
  • Die Grünen bringen einen Antrag für »Wirksame Instrumente gegen Schrottimmobilien« ein (liegt noch nicht vor)

Weitere wirtschaftlich relevante Termine diese Woche: 

  • Montag, 12. Januar: Treffen internationaler Finanzminister zu kritischen Rohstoffen mit Lars Klingbeil
  • Montag, 12. Januar: Destatis gibt die Insolvenzen Oktober 2025 und Schnellindikator Dezember 2025 bekannt
  • Donnerstag, 15. Januar: Destatis gibt das Bruttoinlandsprodukt für 2025 bekannt
  • Freitag, 16. Januar: Destatis gibt den Verbraucherpreisindex für 2025 bekannt
  • Freitag, 16. Januar: Die Internationale Grüne Woche beginnt
  • Samstag, 17. Januar: Unterzeichnung des Freihandelsabkommens zwischen der EU und den Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay

Quelle

Ich hoffe, dass Dir dieser Newsletter einen guten Überblick über die kommende Woche gegeben hat. Falls er Dir gefallen hat, schick diesen Newsletter gerne weiter oder schick mir Feedback, wie er noch besser werden könnte. 

Einen guten Start in die Woche 

Lukas Scholle

Lukas Scholle

Lukas Scholle ist Ökonom, Gründer und Chefredakteur von Surplus.

#6 – Waffen oder Wohlstand

Die Rüstungsindustrie boomt, während beim Sozialen gekürzt wird. Das ist kein Wirtschaftsmodell der Zukunft.

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