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Das Wirtschaftsmagazin

KI: Apokalypse als Businessplan?

1 Minute Lesedauer

Collage: Surplus

Es gibt viele inhaltsleere Sätze, die viel zu viel Aufmerksamkeit erhalten. Und es gibt bedeutsame Sätze, die viel zu wenig beachtet werden. Ein solcher Satz stammt von Sam Altman, dem Geschäftsführer von OpenAI (das Unternehmen hinter ChatGPT): »KI wird wahrscheinlich zum Ende der Welt führen, aber in der Zwischenzeit wird es großartige Unternehmen geben.«

Wenn einer der führenden Tech-Bosse so etwas herausposaunt, dann steht es um die Interessen der großen Mehrheit wirklich schlecht. Dass es sich bei der KI-Frage um ein Experiment mit ungewissen Folgen handelt, analysiert Surplus-Herausgeber Adam Tooze im Leitartikel dieser Ausgabe. Revolutionär könnte die Technologie in jedem Fall sein, wenn sich die Versprechungen rund um KI einlösen – und weite Teile unserer Arbeit von ihr übernommen werden. Wenn die KI-Blase allerdings platzt, könnte das eine enorme Finanzkrise verursachen. 

Doch Sam Altmans euphorische Vision hat noch eine weitere Bedeutung: Hinter den großartigen Unternehmen stehen im gegenwärtigen Kapitalismus mächtige Tech-Oligarchen. Je mächtiger die Unternehmen werden (Altman würde wohl »großartiger« sagen), desto mächtiger werden auch die dahinterstehenden Tech-Bosse. Dabei argumentieren sie oft mit einem Freiheitsversprechen, das schon verbalsozialistische Züge annehmen kann, wie Surplus-Kolumnistin Aya Jaff zeigt

Doch diese Freiheitsversprechen dürften vorrangig den Reichsten zugutekommen, wie der Berkeley-Wirtschaftsprofessor Gabriel Zucman im Interview erklärt. Der Gewinnanteil am Volkseinkommen könnte weiter zunehmen und sich auf noch weniger Menschen konzentrieren. So könnten Vermögenssteuern zwar der erste Schritt gegen die steigende Ungleichheit sein. Aber das eigentliche Ziel müsse eine Umverteilung der realen Produktionsmittel sein – insbesondere im Tech-Sektor. Ein Vorstoß in diese Richtung ist der von der Wirtschaftsprofessorin Francesca Bria konzipierte »Eurostack«. Dadurch könnte immerhin Europas Infrastruktur unabhängig von den Tech-Giganten werden, wie Matthias Ubl schreibt.

Abseits des Schwerpunkts zeigt die Ungleichheitsforscherin Cornelia Mohren, wie der Klimawandel ohne Umverteilung die Ungleichheit weiter verstärken würde. Sozialexperte Ulrich Schneider beschreibt, was wirklich gegen Erwerbslosigkeit helfen könnte. Und die neue Surplus-Herausgeberin Martyna Linartas zeigt, wie FDP und AfD den politischen Weg zurück in den Feudalismus vorbereiten. 

Viel Spaß bei der Lektüre

Lukas Scholle

Lukas Scholle

Lukas Scholle ist Ökonom, Gründer und Chefredakteur von Surplus.

#7 – Machtkampf um KI

Tech-Oligarchen kämpfen um die Vormacht über Künstliche Intelligenz. Den Preis zahlen wir alle.

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