Künstliche Intelligenz hat längst ihren Weg in die Arbeitswelt gefunden. In den Führungsetagen deutscher Unternehmen herrscht Handlungsdruck: Wer nicht investiert, gilt schnell als abgehängt. Informatiker und Philosoph Jürgen Geuter, der unter anderem Parteien und den Bundestag zum Thema berät, sieht diese Entwicklung kritisch. Er hat sich bereits bei Tech-Hypes wie Blockchain/Web3 oder dem Metaverse einen Namen als Tech-Kritiker gemacht.
Geuter sieht ein ökonomisches Missverständnis darin, dass die Implementierung von KI immer Produktivitäts- und Effizienzgewinne mit sich bringen würde. Im Gespräch erklärt er, wieso viele Unternehmen zu »Nachahmern« werden, wie Tech-Unternehmen zur Verantwortung gezogen werden können, und wie Demokratien den Umgang mit der neuen Technologie noch gestalten können.
Elena Winter: Herr Geuter, würden Sie sich als optimistischen Menschen bezeichnen?
Jürgen Geuter: Wir telefonieren gerade miteinander, daher können Sie es nicht sehen: Ich trage als Tattoo auf meinem rechten Unterarm ein Zitat des italienischen Philosophen und Kommunisten Antonio Gramsci: »Pessimism of the intellect, optimism of the will«. Das fasst meine Haltung ganz gut zusammen. Ich denke, es gibt Dinge, die man sich kritisch ansehen und bei denen man verstehen sollte, warum sie nicht funktionieren. Die optimistische Sicht liegt für mich darin, fest daran zu glauben, dass wir vieles an diesen Dingen besser machen können. Wir wissen beispielsweise, was wir gegen die Klimakrise tun könnten oder wie sich die Sozialsysteme oder die Gesundheitsversorgung besser organisieren ließen. Leider mögen viele die Antworten auf bestimmte Fragen nicht – das heißt aber nicht, dass es sie nicht gibt und dass wir uns nicht dafür einsetzen sollten. Dieser gemeinsame Einsatz für bessere Lösungen ist das, was für mich Demokratie ausmacht.
Dann lassen Sie uns doch über Fragen und Antworten in der großen KI-Debatte sprechen: In fast allen Wirtschaftsbereichen wird intensiv über den Einsatz von generativer KI diskutiert, also von KI, die nicht nur Daten analysiert, sondern auch neue Inhalte wie Texte, Bilder, Musik oder Videos erstellt. Wie erklären Sie sich den Handlungsdruck, der in deutschen Unternehmen derzeit herrscht?
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