»Das alte Wirtschaftsmodell hat sich überlebt. Der Neoliberalismus ist tot«, erklärte Lars Klingbeil 2023. Spätestens seitdem gilt der Staat angesichts von Schulden, Industriepolitik und Milliardenprogrammen für viele als übermächtig. Der marktfundamentalistische Rand sieht die deutsche Wirtschaft gar in einer neuen DDR oder in einem »Sozialismus 2.0«. Als die Staatsquote – Staatsausgaben im Verhältnis zum BIP – 2025 auf 50,2 Prozent stieg, schien sich der Helmut Kohl zugeschriebene Satz in den Augen einiger zu bestätigen: Bei 50 Prozent beginne der Sozialismus. Seither erleben wir vor allem in der bürgerlichen Presse und auf den sozialen Medien eine permanente Hysterie.
All diesen Positionen liegt dieselbe falsche Annahme zugrunde: dass ein »großer Staat«, gemessen an der Staatsquote, und Neoliberalismus sich gegenseitig ausschließen würden.