Der Teller, den Eva Stützel in den sonnigen Innenhof trägt, ist bunt wie eine Farbpalette. Ein Klacks gelber Fusilli, Ackerbohnen in roter Tomatensauce, verschiedene grüne Salate und gebratenes Gemüse. Alles außer den Nudeln stammt vom Acker von Sieben Linden, einem kleinen Ökodorf in der sachsen-anhaltinischen Altmark. Schnurstracks läuft Eva mit ihrem Teller zu einem Tisch, an dem eine Reihe junger Leute, vielleicht halb so alt wie Eva, sitzen und essen. Darunter sind auch ihre Tochter und ihre Enkelin. »Dass meine Tochter, als sie schwanger war, zurückgekommen ist, weil sie unser Dorf so gut findet, dass sie ihre Kinder hier aufwachsen lassen will, das war schon ein besonderes Kompliment für mich«, erinnert sich Eva. Die gebürtige Saarländerin lebt schon seit rund dreißig Jahren in Sieben Linden, dem Dorf, das sie Mitte der 90er mit auf- und dann fortwährend weitergebaut hat.
Denn bauen tun die Sieben Lindener nicht nur an ihren Strohballenhäusern. Vor allem bauen sie an einem Gegenentwurf zum fossilen Aufstiegsversprechen, dessen viertürmiges Wahrzeichen etwa 50 Kilometer südwestlich des Dorfes am Eingang des Wolfsburger VW-Werks prangt. Statt Massenkonsum und Ressourcenausbeutung setzen sie auf ein ökologisches Leben in Gemeinschaft. Sie teilen ihren Besitz an Land und Häusern, ihr Essen, und gemeinsam anfallende Arbeit – Gemeinschaftsdienste nennen sie die hier. Entscheidungen trifft Sieben Linden in soziokratisch organisierten Räten. Einen für die Verwaltung von Land und Infrastruktur. In dem sitzt Eva als Vorständin. Einen anderen für Baufragen. Der ist unter anderem verantwortlich für den Bau der Strohballenhäuser. Einen weiteren für die Lebensmittelversorgung, zwei Räte gibt es für soziale Belange und einen für den Seminarbetrieb.