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Das Wirtschaftsmagazin

OpenClaw: KI-Agent ohne Leitplanken?

Das Unternehmen OpenClaw bietet ein KI-Tool, das nicht nur antwortet, sondern selbst handelt. Was ist die Vision dahinter?

4 Minuten Lesedauer

Collage: Surplus, Material: IMAGO / NurPhoto

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Die drei wichtigsten News der letzten zwei Wochen

  1. Die Debatte um den Digital Services Act zeigt, wie stark große Plattformen weiterhin kontrollieren, wer Zugang zu ihren Daten bekommt. Forschende und Zivilgesellschaft kämpfen darum, systemische Risiken wie Desinformation oder Radikalisierung überhaupt untersuchen zu dürfen.
    Wichtig, weil: Datenzugang entscheidet, wer Macht analysieren kann und was im Dunkeln bleibt.
  2. Deutschland und Indien bauen ihre Kooperation bei Künstlicher Intelligenz aus, von Forschung über Industrieprojekte bis zum Austausch von Fachkräften. Offiziell geht es um Innovation und technologische Souveränität, faktisch aber auch um Standortvorteile im globalen KI-Wettlauf.
    Wichtig, weil: KI-Partnerschaften sind nie nur Technikabkommen. Sie definieren neue Abhängigkeiten, Standards und Machtachsen im digitalen Zeitalter.
  3. Palantir und die US-Migrationspolitik. Palantir arbeitet für die US-Einwanderungs- und Zollbehörde (ICE) und warnt nun, dass die verschärfte Einwanderungspolitik dem eigenen Recruiting schaden könnte.
    Wichtig, weil: Ein Konzern profitiert vom Ausbau staatlicher Abschottung und klagt gleichzeitig über die Folgen dieser Abschottung für den eigenen Talentmarkt. Abschottung ist Geschäftsmodell und Risiko zugleich.

Thema der Woche:
Wie gefährlich ist OpenClaw?

OpenClaw ist eines jener Projekte, die in der KI-Szene zugleich Bewunderung und Unruhe auslösen. Technisch ist es bemerkenswert: ein Open-Source-Agent mit weitreichenden Systemrechten, direkter Ausführungslogik und einer Architektur, die auf maximale Autonomie ausgelegt ist. Keine komplexe Governance-Struktur, keine institutionelle Schutzschicht, sondern ein bewusst schlank gehaltener Aufbau. Wer sehen will, wie leistungsfähig große Sprachmodelle außerhalb kontrollierter Plattformumgebungen sein können, bekommt hier eine radikale Demonstration.

Gerade deshalb lohnt sich ein genauerer Blick. Was OpenClaw von klassischen Chatbots unterscheidet, ist der Übergang vom Antworten zum Handeln. Es handelt sich um einen autonomen KI-Agenten, der lokal installiert wird und nicht nur Texte generiert, sondern konkrete Aktionen ausführt: E-Mails lesen und versenden, Termine anlegen, Dateien organisieren, mit bestehenden Diensten interagieren. Der Unterschied liegt nicht im Modell, sondern in der unmittelbaren Ausführung. Das eröffnet Produktivitätspotenzial – und verlagert Verantwortung.

Aya Jaff: Broligarchie

Die Machtspiele der Tech-Elite und wie sie Fortschritt verhindern. Erschienen am 27. November 2025 im Ullstein Verlag.

Denn ein System, das handelt, kann Fehler nicht nur formulieren, sondern auch machen. Ein missverstandener Prompt wird nicht zur schiefen Antwort, sondern zu einer realen Aktion: sensible Daten werden verschickt, Systemeinstellungen verändert, Prozesse werden ausgelöst. Klassische Softwarearchitektur setzt deshalb auf Schutzschichten: Zugriffsbeschränkungen, Zwischenschritte, Sandboxing, Protokollierung. Diese Mechanismen sind keine bürokratischen Relikte, sondern das Ergebnis jahrzehntelanger Sicherheitsvorfälle. Sie existieren, weil Systeme ohne sie kompromittiert wurden. Geschwindigkeit und Verwundbarkeit sind eng miteinander verbunden. 

Diese Architektur folgt einer Haltung. In den vergangenen Jahren hat sich im KI-Diskurs ein Narrativ etabliert: Geschwindigkeit ist nicht nur Wettbewerbsvorteil, sondern ein allgegenwärtiger Imperativ. Wer zu langsam ist, verliert Innovationskraft. Wer zu vorsichtig ist, überlässt anderen das Feld. OpenClaw übersetzt diese Logik in Code. Während große Plattformunternehmen Safety-Teams, Governance-Prozesse und externe Prüfungen aufbauen, reduziert OpenClaw institutionelle Dämpfung auf ein Minimum. Das ist keine ideologische Abkehr vom KI-Mainstream, sondern seine Radikalisierung. 

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Aya Jaff

Aya Jaff ist Autorin, Unternehmerin und die »bekannteste Coderin Deutschlands«. Sie war Teil von Forbes 30 under 30 und schreibt bei Surplus die Kolumne »Code & Capital« .

#7 – Machtkampf um KI

Tech-Oligarchen kämpfen um die Vormacht über Künstliche Intelligenz. Den Preis zahlen wir alle.

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