Guten Morgen,
wie wichtig der Faktor Zeit bei einem Preisschock ist, zeigt allein die letzte Woche. Nach dem Angriff auf den Iran wurden auch in Deutschland die Spritpreise kräftig angezogen. Umgekehrt hat Wirtschaftsministerin Reiche anscheinend alle Zeit der Welt, um etwas gegen den Preisschock zu machen – umso entscheidender wird, wie die Debatte diese Woche weiterläuft.
Die wirtschaftlich wichtigsten Termine der Woche sind:
- Die ganze Woche: Preisschock und Preisdeckel
- Montag: Feministischer Streiktag
- Dienstag: Die 6 Milliarden Euro Überraschung bei Volkswagen
Die ganze Woche: Preisschock und Preisdeckel
Der Krieg im Iran treibt die Ölpreise in die Höhe und es wäre nicht das erste Mal, dass Mineralölkonzerne eine Schippe obendrauflegen, um sich zusätzliche Profite zu sichern. Aktuell liegt der Preis bei rund 90 USD/Barrel, ein Anstieg um fast 40 Prozent seit dem völkerrechtswidrigen Angriff von den USA und Israel auf den Iran. Der steigende Ölpreis ist aber nur eine Dimension. Auch die Preise für LNG-Gas und Düngemittel gehen durch die Decke, wie Surplus-Herausgeber Adam Tooze im Surplus-Podcast erklärt (direkt zu YouTube, direkt zu Spotify).

Mittlerweile sind die Wirtschaftsfolgen auch in Deutschland angekommen. Die Benzinpreise und Heizölpreise werden schon im Vorfeld des Preisschocks drastisch angehoben. Das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) prognostizierte vergangene Woche einen BIP-Verlust von 0,3 Prozent, sollte der Preis bis zur 100-Dollar-Marke klettern. Während dieser Kostenschock real ist, fantasierte der designierte Wirtschaftsweise Felbermayer auf makabere Art und Weise von 0,5 Prozent Wachstumspotenzial durch eine Regime-Chance im Iran.
Lars Klingbeil, vom Verdacht der unlauteren Krisengewinne ereilt, sagte bei ZDF Spezial, er habe Bundeswirtschaftsministerin Reiche gebeten, Maßnahmen gegen Mineralölkonzerne zu prüfen, die aus der aktuellen Situation Profit schlagen würden. Wirtschaftsministerin Reiche will hingegen Markteingriffe nur im äußersten Notfall vornehmen und sieht bisher keine Grundlage für eine Debatte. Doch gerade bei Preisschocks ist die Zeit der entscheidende Faktor. Wenn die Kosten sich erst mal durch die Lieferkette ziehen, dann fängt der Schock an zu wirken und er wird umso schwerer abzumildern. Umso wichtiger wäre, dass gerade jetzt die Debatte beginnt.
Montag: Feministischer Streiktag
Unter dem Motto »Enough/Genug« rufen zahlreiche feministische Bündnisse in Deutschland und darüber hinaus am Montag zum globalen Generalstreik auf – sowohl von bezahlter als auch von unbezahlter Arbeit. Da der traditionelle Frauenkampftag in diesem Jahr auf einen Sonntag fiel, soll der Montag Streiktag werden. Wie elementar Sorgearbeit für das Funktionieren einer Gesellschaft ist, zeigte zuletzt 2024 eine Analyse von Daten des sozioökonomischen Panels. Während das Arbeitsvolumen der Volkswirtschaft jährlich 60,6 Milliarden Stunden umfasste, leisteten Frauen und Männer zusammen 116,9 Milliarden Stunden Sorgearbeit, wovon Frauen den Großteil übernahmen. Die Umverteilung dessen wird eine der relevantesten Wirtschaftsfragen der nächsten Jahrzehnte werden.

Dienstag: Die 6-Milliarden-Euro-Überraschung bei Volkswagen
Am Dienstag veröffentlicht der Automobilkonzern VW im Rahmen seiner Jahrespressekonferenz den Bericht für das Geschäftsjahr 2025. Besonders spannend daran: Im Januar wurde publik, dass VW einen Netto-Cashflow von 6 Milliarden Euro statt 0 Milliarden Euro hatte. Das wirft allein betrachtet schon etliche Fragen auf. Im Kontext von steigenden Manager-Gehältern und kommenden Massenentlassungen von einem Viertel der Stellen werden die gefundenen 6 Milliarden noch absurder. CEO Blome kommt mit seinen Positionen bei VW und der Tochterfirma Porsche auf ein Gehalt von 10,3 Millionen Euro jährlich. Im Geschäftsbericht muss VW auch offenlegen, ob 2025 weitere Gehaltserhöhungen hinzugekommen sind.
Weitere wichtige Wirtschaftstermine diese Woche:
- Montag, 09. März: Aufruf zum weltweiten feministischen Streik
- Dienstag, 10. März: Antidiskriminierungsbeauftragte Ferda Ataman stellt Ergebnisse des Sozio-ökonomischen Panels (SOEP) zu Diskriminierungserfahrungen vor, EU-Kommission stellt neues Energiepaket vor, Jahrespressekonferenz des Übertragungsnetzbetreibers 50Hertz, Veröffentlichung Zahlen Handelsbilanz von Deutschland
- Mittwoch, 11. März: Amtsantritt des neuen rechten Präsidenten Chiles, José Antonio Kast, Uniper-Jahreszahlen, Verbraucherpreisindex Deutschland

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Einen guten Start in die Woche
Lukas Scholle

